Spielesucht statt 'Killerspiele' - Panorama-Redaktion legt nach PDF Drucken E-Mail
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Mittwoch, den 04. April 2007 um 18:25 Uhr

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Die aufgebrachten Reaktionen auf die völlig unsachliche Berichterstattung der ARD-Sendung Panorama vor einigen Wochen hat den Machern anscheinend noch nicht gereicht. Unter dem Titel 'Spiel ohne Grenzen: Wenn Computersucht die Kindheit zerstört' legt die Redaktion des Politmagazins am Mittwoch, den 04. April 07,  noch einmal nach.

"Wenn er nach Hause kommt, hat er nur ein Ziel: in sein Zimmer, vor den Computer. Marc Oliver 'zockt' - jeden Tag bis zu zehn Stunden. Computerspiele wie 'Counterstrike' oder 'World of Warcraft'. Familie und Schule sind für ihn Nebensache. Das Gymnasium hat der 16-Jährige aufgegeben und stattdessen gerade noch den Hauptschulabschluss geschafft. Schuld sei der Computer, sagte er selbst. 'Ich bin süchtig nach Computerspielen'. Ein Tag ohne PC und er fühle sich wie ein Alkoholiker ohne Flasche. Seine Eltern haben schon alles versucht, um ihn vom Rechner wegzukriegen – ohne Erfolg. Sie fühlen sich hilflos, machtlos." So lautet die offizielle Programmankündigung der ARD

Dass bestimmte Computerspiele durch ihre besondere Art, den Spieler durch Belohnungen zum Weiterspielen zu bewegen, tatsächlich süchtig machen können, ist an sich nichts neues. Mit dem Wichernhaus in Boltenhagen an der Ostsee gibt es sogar seit einigen Jahren ein Kurhaus, das ein Erholungskonzept für Medienabhängige anbietet.

Neu ist allerdings, dass das Thema Spielesucht von den Massenmedien aufgegriffen wird. Angesichts von weit über 8 Millionen Abonnenten des Online-Rollenspiels World of Warcraft, von denen ein Großteil zumeist viele Stunden am Tag in der virtuellen Welt von Azeroth verbringt, überrascht es eigentlich nicht weiter, dass sich nun ein öffentlich-rechtlicher Sender dieses Themas annimmt.

Im Falle der Panorama-Redaktion ist jedoch zumindest Vorsicht angebracht, fiel sie doch zuletzt mit ihrem Bericht zu so genannten 'Killerspielen' beinahe noch negativer auf als die Kollegen der ZDF-Sendung Frontal 21 vor einiger Zeit.  Wie unvoreingenommene Berichterstattung im Massenmedium Fernsehen aussehen kann, mußte ausgerechnet zuerst Privatsender RTL II zeigen (wir berichteten).

Panorama war dabei nicht nur allein wegen der Art der Berichterstattung allein negativ aufgefallen.  Vielmehr präsentierte die Redaktion ausgerechnet den Geschäftsführer einer Firma, die sich auf Filtersoftware spezialisiert hat, als Experten, obwohl dieser bereits in der Vergangenheit mehrfach wegen umstrittener Behauptungen negativ aufgefallen war. Das legte die Vermutung nahe, dass eben jener Firma ein Forum geboten werden sollte, ihre speziellen Software-Lösungen an den Mann bringen zu können.

Nun läßt oben zitierte Programmankündigung durch ihre neutrale Formulierung auf einen eher wenig reißerischen Bericht schließen. Bleibt also zu hoffen, dass auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen endlich einmal mit einem rein informativen - und nicht hetzerischen - Beitrag seinem Informationsauftrag nachkommt.

Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, ob die von Panorama präsentierten Informationen den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen, hat das Magazin GameStar bereits im Vorfeld ein Interview mit der Sucht-Expertin Sabine Grüsser-Sinopoli von der Berliner Charité-Klinik geführt. Darin erfahren Sie unter anderem, welche Merkmale erfüllt sein müssen, um tatsächlich von einer Computerspiel-Sucht sprechen zu können, welche Symptome und Folgeerscheinungen auf eine Sucht hindeuten,  welche gesundheitlichen Folgen sich daraus ergeben könnten und welche Behandlungsmöglichkeiten sich dafür ergeben. Sehr lesenswert!

 

 

 

 

 
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