| Zum Newsbeitrag: Deutsche für ein Verbot von Killerspielen |
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| Freitag, den 23. Februar 2007 um 21:27 Uhr | ||
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Von Herrn Jan-M. Weymar, per EMail am 22.02.2007, zum News Beitrag: Bundesbürger für ein Verbot von Killerspielen. Hallo Herr Schmidt, ich bin über das Family-Magazin bei sqoops auf Ihre Seite aufmerksam geworden und habe mit Interesse Ihren Artikel „Umfrage ergibt: Bundesbürger für ein "Killerspiel"-Verbot“ gelesen. Ich selbst bin Vater von 2 Kindern (5 und 3 Jahre alt), Freiberufler und entwickle u.a. kleine Flash-Internetspiele. Seit über 20 Jahren (ab den C64-Zeiten) spiele ich Computer- und Konsolen-Spiele, darunter auch jene, die vielfach als „Killerspiele“ angesehen werden. Natürlich sind meine Kinder noch viel zu jung, um nur ansatzweise in Berührung mit der Computerspielwelt für Erwachsene zu kommen, aber gerade ein Erlebnis aus der jüngsten Vergangenheit und die anhaltende Diskussion um „Killerspiele“ haben mich zum Nachdenken gebracht: Wie möchte ich dieser Thematik in Zukunft begegnen? Ihr Artikel gab den Ausschlag, dass ich meine Meinung dazu jetzt niederschreibe. Das vorgenannte Erlebnis war ein DVD-Abend mit meiner Frau. Wir sahen uns einen äußerst brutalen Film an, in dem mehrere Menschen teilweise bestialisch umgebracht wurden. Wir waren schockiert. Es handelte sich um den Film „Very Bad Things“, welchen wir als Beilage zur Zeitschrift AudioVideoFoto-BILD (05/2006) erhielten. Das mitgelieferte Cover ließ nicht ansatzweise erahnen, dass darin derartige Brutalität zu sehen war. Schon beim Betrachten des Films stellten meine Frau und ich erschrocken fest, dass man so was – wie wir fanden – Scheußliches doch nicht kostenlos mit einer Zeitschrift ausliefern kann, die sicherlich problemlos für Jugendliche zu kaufen ist. Ich schaute noch einmal nach und sah, dass der Film die Altereinstufung FSK 16 hatte – als kostenlose Beilage! Dieses Beispiel bestätigte mir meinen aktuellen Eindruck: Die übertriebene Darstellung von Gewalt, Brutalität und Tot findet inzwischen ungeniert auf allen medialen Kanälen statt, vom Fernsehen über DVD-Beilagen bis hin zu Computerspielen. Dabei stellt sich mir die Frage, ob wir bei einer derart umfassenden Präsenz der Gewalt und trotz aller elterlichen Fürsorge tatsächlich verhindern können, dass unsere Kinder (zu früh) mit solchen unsinnigen Gewaltdarstellungen in Berührung kommen? Was sehen sie bei Freunden? Was tauschen sie irgendwann auf dem Schulhof? Was machen sie heimlich, wenn sie irgendwann ihren eigenen PC haben? Was wird es in 10 Jahren noch für Möglichkeiten geben angesichts der Tatsache, dass Gewaltvideos schon heute auf Schulhöfen über Handy ausgetauscht werden? Für mich wäre es wirklich wünschenswert, wenn hier umfassend und an so vielen Stellen wie möglich gegengesteuert wird. Ich gebe Ihnen recht: Die Gründe für Amokläufe sind nicht allein bei „Killerspielen“ zu suchen, zu deren Definition ich gleich noch etwas anmerken möchte. Auf jeden Fall aber können gewisse Spiele zumindest einen Mosaikstein darstellen, der z.B. zum Herabsetzen der Hemmschwelle, wie von Ihnen selbst genannt, führt. Und auch wenn der Mosaikstein noch kleiner dadurch wird, dass andere Medien ebenfalls Gewalt verbreiten, so trägt er seinen Teil zu möglichem Unheil bei. Und ich käme mir lächerlich vor, wenn ich vor Eltern stünde, deren Kind in der Schule bei einem Amoklauf starb, und sagen müsste: „Aber das brutale Computerspiel war ja nicht der einzige Grund“! Wenn ich ein Auto mit vier Plattfüßen habe, dann repariere ich ja auch nicht nur drei und sage, dass vierte war es ja nicht allein und deswegen muss ich es nicht anfassen. Nein. Ich fasse alles an, was nicht in Ordnung ist. Damit kein Missverständnis aufkommt: Natürlich ist es genauso unsinnig, nur jenes vierte Rad, welches vorab für brutale Computerspiele steht, zu reparieren. Da macht es sich die Politik in der Tat zu einfach. Aber wenn man eine Lösung möchte, dann bitte nicht die in der Politik propagierte Lösung einfach umdrehen und sagen: „Alles andere, nur die Spiele nicht.“ Zudem teile ich Ihre Meinung nicht, dass ein solches Verbot durch illegale Auslandsimporte nahezu aufgehoben werden würde. Natürlich sind diese einfach. Aber dennoch würde es Signalwirkung auch für die Spiele-Entwickler haben, wenn der wichtigste Markt in Europa ein Verbot gewisser Darstellungen ausspricht. Auch glaube ich nicht, dass ein Verbot zwangsweise zu einer Verminderung der medialen Aufklärungsarbeit führt. So einfach macht es sich die Politik nun auch wieder nicht, gerade angesichts der medialen Vielfalt. Bleibt die Frage, was sich – meiner Meinung nach – an Computerspielen ändern müsste. Ich habe wahrlich viele Spiele aus allen Genres gespielt und ich finde vor allem eins überflüssig: Das Töten von Menschen oder menschenähnlichen Wesen in jedweder Form. Wenn ich ein „Ballerspiel“ gespielt habe, hatte ich auch Spaß und Nervenkitzel, wenn ich gegen Roboter oder offensichtliche Aliens gekämpft habe. Dazu brauchte ich weder Blutspritzen (auch nicht in Blau) noch abgehackte Gliedmaßen usw., um Spaß zu haben. Kann das der Unterschied sein? Ich denke ja. Man sollte so stark wie möglich verhindern, dass irgendwer virtuell auf etwas losgehen kann, was Ähnlichkeiten zu Leben in der realen Welt hat. Ich finde, der Bruch zwischen diesen Welten sollte gezielt und deutlich gesetzt werden. Natürlich bedeutet das auch, dass Szenarien aus dem Jetzt oder der Vergangenheit nicht weiter thematisiert werden. Das ist aber OK, denn ich finde es in der Tat verwerflich und durch nichts zu rechtfertigen, dass z.B. die Grauen eines Krieges, egal ob 2. Weltkrieg, Vietnam oder Irak, in einem Spiel(!) verharmlost werden – auch gegenüber Erwachsenen. Und da soll mir bitte keiner kommen und behaupten, dass hätte ja eine aufklärende oder gar abschreckende oder sonst irgendeine positive Wirkung. Ich fände es begrüßenswert, wenn bei allen Medienvertretern über die derzeitige Gewaltdarstellungen nachgedacht wird und konstruktiv nach Lösungen für die jeweiligen Medien gesucht wird. Das tut nicht nur der Jugend gut, auch uns Erwachsenen, letztendlich der gesamten Gesellschaft. Und mal ehrlich: Wenn ich z.B. im LAN fighten will, warum muss ich Menschen erlegen? Es macht wahrlich überhaupt keinen Sinn(!) oder hat irgendeinen Wert(!), solche menschlichen Gegner zu töten. Weder mit einer Waffe noch mit einem Fahrzeug noch als Gruppe in Strategiespielen. Von allen Argumenten, die ich als Rechtfertigung dafür bisher gehört habe, ist unter dem Strich nur ein einziges ehrlich: „Es macht Spaß.“ Und genau das darf es nicht sein! Natürlich bin ich absolut offen für konstruktive Diskussionen zu diesem Thema. Wir Danken Herrn Weymar für seinen Brief. Wie denken Sie über das Thema? Diskutieren Sie mit uns im Forum .
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