Offener Brief an Uwe Schünemann PDF Drucken E-Mail
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Dienstag, den 19. Dezember 2006 um 21:09 Uhr

Uwe Schünemann ist Innenminister von Niedersachsen und leidenschaftlicher Kritiker von Computer- und Videospielen, der sich nicht erst seit dem Amoklauf von Emsdetten mit überzogenen Verbotsforderungen auf sich aufmerksam zu machen versucht. Letztlich ist all dies zwar in erster Linie als plumper Versuch zu sehen, sich auf bundespolitischer Ebene einen Namen zu machen, dennoch gelingt es ihm mit seinen Äußerungen, Computer- und Videospiele in ein unangemessenes Licht zu stellen. Den Medien sei dank.

Wir von GameParents.de verurteilen den Versuch von Herrn Schünemann, sich auf Kosten von Millionen firedlicher Computerspieler in der Öffentlichkeit zu profilieren auf das Schärfste, und schreiben ihm deshalb folgenden offenen Brief:

 

 

Sehr geehrter Herr Schünemann,

mit Erschrecken müssen wir in letzter Zeit immer wieder feststellen, mit welcher ungenügenden (!!!) Sachkenntnis und mit welch schlechter Vorbereitung - ja schlechter Information - es Ihnen in den Sinn kommt, Unwahrheiten und sachlich falsche Behauptungen in Bezug auf Computer- und Videospiele in den deutschen Medien zu verbreiten.

Wenn Sie selbst schon nicht einen einzigen Titel persönlich gespielt haben (Zitat: „Ich habe nicht gespielt, sondern ich habe mir diese Szenen aus mehreren Spielen zeigen lassen“ (Stern.de vom 8. Dezember 2006),  sollten Sie sich doch zumindest im Vorfeld von Interviews und Fernsehbeiträgen ausreichend über das derzeit gültige deutsche Jugendschutzsystem informieren.

Doch selbst dann findet Ihre Argumentation fernab jeder wirklichen Sachkenntnis statt, da Computerspiele sich nun einmal durch ihre Interaktivität auszeichnen, durch die Möglichkeit, in eine virtuelle Realität mit eigenen Gesetzen und Problemstellungen einzutauchen. Und deshalb können Computer- und Videospiele auch nur durch das völlige Durchdringen dieser Spielwelten als aktiver Spieler wirklich erfahrbar, nachvollziehbar und verständlich werden.

Sollten Sie sich darüber hinaus tatsächlich intensiver mit den bestehenden gesetzlichen Regelungen, sowie den Möglichkeiten von Eltern und Erziehungsberechtigten, diese Regelungen umzusetzen, auseinandersetzen wollen, so bieten wir von Gameparents.de Ihnen dabei gerne unsere Unterstützung an.

Denn unserer Meinung nach ist eine öffentliche Debatte und Diskussion nur auf Basis einer sachlichen Auseinandersetzung möglich, innerhalb der alle Beteiligten sich an Fakten und den gesetzlichen Gegebenheiten orientieren. Das, so stellen wir leider fest, ist bei Ihnen in keinster Weise gegeben, wie Ihr letztes Interview auf Stern.de (siehe oben) eindrucksvoll beweist.

Sollten Sie einfach nur einen fundierten Überblick über das aktuell gültige Jugendschutzgesetz, samt seines Altersfreigabesystems, über gängige Spielegenres, aktuelle Medienwirkungstheorien und einen Überblick über die Arbeit der USK und BPjM benötigen, so stehen Ihnen auch im Internet umfassende Informationsmaterialien zur Verfügung.

Sollten Sie darüber hinaus an einem tiefer gehenden Dialog mit Erziehungsberechtigten oder weiterführenden Informationen rund um Computer- und Videospiele interessiert sein, so laden wir Sie gerne ein, mit Gameparents.de Kontakt aufzunehmen. Ganz einfach per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

Wir sind eine privat gegründete Initiative, die es sich zum Ziel gemacht hat, zunächst für ausreichende medienpädagogische Aufklärung zu sorgen und die Medienkompetenz Erwachsener und Erziehungsberechtigter für den Bereich der Bildschirmspiele zu fördern. Und gerade in diesem Bereich sehen wir bei Ihnen leider schwerste Defizite.

Mit freundlichen Grüßen,

GameParents.de.

 

 
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