| Aus der Reihe "Datenschutz ist für ewig Gestrige": Die Facebook-AndroidApp liest und verschickt SMS. |
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| Mittwoch, den 29. Juni 2011 um 21:01 Uhr | ||
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Nun kann meins das noch gar nicht (ist smart, aber kein phone, weil reiner Datentarif) und ich könnte mich zurücklehnen und abwarten, wie Facebook auf die Proteste reagiert. Deutsche Benutzer beschweren sich nämlich lautstark im Android Market über diese unnötige und ungewollte Rechteausweitung und raten anderen Benutzern von der Installation ab. Bravo sage ich! Da wird mir warm um's Herz und ich merke: Die Deutschen sind doch schlauer als gemeinhin angenommen und werfen Facebook nicht ungehemmt und ohne Sinn und Verstand ihre komplette Privatsphäre auf die Server. Was hat es nun mit dieser Berechtigung auf sich und warum sollte man sich dreimal überlegen, welcher App man die zugesteht? Das Recht, SMS zu lesen ermöglicht es der App, die Inhalte und Metadaten (Absende-Nummer, Empfängernummer) sämtlicher SMS auszulesen, die auf dem Smartphone empfangen und verschickt werden. Das kann schon mal peinlich werden, wenn intime Informationen im Facebook-System landen und womöglich an zahlreiche Pinnwände geheftet werden. Das Recht, SMS zu versenden erlaubt einer App, SMS und MMS zu versenden, ohne dass der Benutzer das überhaupt mitbekommt. Das können auch kostenpflichtige SMS zu Mehrwertdiensten sein oder solche, die Abos abschließen. Das kann teuer werden. Sehr teuer. Deshalb sollte außer der SMS-App sonst keine App über dieses Recht verfügen. Leider nimmt sich Google da auch zuviel heraus und will das Recht für seine Apps ebenfalls haben: Google Maps z.B. Warum die Facebook-App diese Rechte benötigt, wird aus der Beschreibung nicht ersichtlich und es fällt mir auch kein triftiger Grund dafür ein außer dass Facebook sich für die Inhalte der SMS seiner Benutzer interessiert. Das ist sogar nachvollziehbar, wenn man Facebook ist. SMS verschicken allerdings... wofür um Himmels Willen sollte die App das denn benötigen? Neben dem SMS-Zugriff fordert die App außerdem lesenden und schreibenden Zugriff auf die Kontakte im Smartphone... wer den Freundesfinder von Facebook kennt, weiß, was das bedeutet: Alle Kontakte sind Freiwild für Facebook. Facebook speichert alle, ja alle Felder, die in einem typischen Adressbuch so vorkommen, nicht etwa nur die E-Mailadresse und den Namen. Englischsprachige Nutzer hingegen scheinen weniger Probleme mit der frechen Rechteaneignung zu haben, sondern hadern überwiegend mit einem Fehler in der neuen App, die die Neuigkeitenseite in Zwei-Sekunden-Abständen immer neu lädt... was die App unbrauchbar macht. Wie es scheint, wurden interne Strukturen bei den von der App gespeicherten Daten geändert und die App kommt darauf nicht klar, sondern muss komplett neu installiert werden. Ein Löschen der Daten könnte auch helfen, so vermutet man. Was bei Facebook ohnehin eine gute Idee ist, wenn man den Gedanken mal zu Ende denkt. Betrachtet man das Gesamtbild, so fällt auf, dass bei Facebook sehr hemdsärmelig gearbeitet wird. Da sind gravierende Fehler im Facebook-System, die AGB und Nutzungsbedingungen werden nach Gusto und Mondphase zum Nachteil der Benutzer geändert, die App ist selbst bei bestem Willen als höchstens mittelmäßig programmiert zu betrachten und die Grundhaltung ist: Alle Daten, derer Facebook habhaft werden kann, gehören Facebook. Hält man sich dann vor Augen, dass das Smartphone inzwischen dem PC respektive Mac Konkurrenz macht, wenn es darum geht, möglichst viele Aspekte unseres Lebens in digitaler Form aufzuzeichnen, zu organisieren und für die Nachwelt festzuhalten, dann sollte man sich wirklich x-mal überlegen, ob man diesen Schatz von persönlichen und möglicherweise intimen Daten einer Datenkrake wie Facebook übereignet. Es gibt übrigens eine ganze Reihe von Apps für Facebook-Aktivitäten, die keine derartig gefährlichen Rechte einfordern. Beispiele dafür sind Friendcaster und Seesmic. Letzteres versteht sich auch auf's Twittern. Oder aber man vertraut auf die Leistungsfähigkeit der Smartphone-Browser und nutzt die ganz normale Weboberfläche, die häufig auch in einer mobilen Form angeboten wird. Noch ein Tipp zum Schluss: Mit der kostenlosen App aSpotCat kann man sich die Rechte sämtlicher Apps auf dem Smartphone übersichtlich anzeigen lassen oder für ein bestimmtes Recht nachschauen, welche Apps dieses innehaben. Ideal um mal zu prüfen, ob der harmlose Videoplayer nicht auch noch ganz andere Dinge anstellen kann außer Videos anzuzeigen. Falls es so etwas auch für iOS gibt, bitte ich um Nachricht. Ach ja: Das ist ja ohnehin hinfällig... Wer ein fremdes iPhone in die Hände bekommt, hat ja eh Zugriff auf alle Daten [3]. Da kann man den Kram auch gleich zu Facebook hochladen, dann haben wenigstens alle was davon. Weiterführende Links: [1] http://www.anonym-surfen.com/die-schattenseite-des-facebook-grunders/ [2] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Fuer-den-Facebook-Chef-ist-Privatsphaere-nicht-mehr-zeitgemaess-900367.html [3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/iPhone-Sperre-nahezu-nutzlos-1270786.html
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