Wir haben es ja schon immer gewusst! PDF Drucken E-Mail
Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 
  
Dienstag, den 14. Dezember 2010 um 16:13 Uhr
altEigentlich sollte sich ein breites Grinsen bei uns breit machen. Aber die Freude darüber will sich nicht so wirklich einstellen. Zuviel Zeit ist verschwendet worden. Zeit, die man lieber in effektivere Mittel hätte investieren können.

Achso, Verzeihung, ich rede von der Anhörung der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestags die am 13.12.2010 stattgefunden hat. Diese Kommision, zusammengesetzt aus Jugendarbeitern, Medienpädagogen, Vertretern aus Forschung, Wirtschaft und was weiß ich woher noch, waren beauftragt worden, um zu empfehlen wie man in Zukunft mit dem Thema Medienkompetenz am besten umgehen sollte.

Das Fazit, kurz und knapp zusammengefasst, lautet weniger Verbote, mehr Selbstkontrolle für die Benutzer, aber auch vermitteln der Medienkompetenz an den richtigen Stellen. So sind z.B. auch Lehrer stärker gefordert. Jugendarbeiter sollen das Internet als neuen Lebensraum der Jugend begreifen und auch hier als "Streetworker" tätig werden. Hilfsmittel, wie Filter und Jugendschutzsoftware, die so gut wie gar nicht von Eltern eingesetzt werden, sollten nicht als Allheilmittel in irgendwelchen Gesetzestexten eingebunden werden, wie es allerdings bei der Neufassung des Jugendmedienschutz Staatsvertrages gemacht wurde.

Mir kamen viele Punkte in diesem Fazit bekannt vor. Bekannt deshalb, weil es Positionen sind, die von mir seit Jahren vertreten werden. Aber nicht nur von mir alleine. Doch wollte diese Argumente bislang keiner hören. Was Herr Ertel anführt, ist auch nicht neu. Weder von ihm, noch von sonstwem. Es sind aber Argumente, die manchem wohl so nicht in den Kram passten. Solange man mit der Forderung nach einem "Killerspielverbot" noch genügend unaufgeklärte Wählerstimmen einfangen konnte, solange wollte man auf diese Forderung nicht verzichten. Das gleiche gilt für die Vorratsdatenspeicherung zur Terrorbekämpfung und das Einführen der staatlichen Internetzensur als Allheilmittel gegen die Kinderpornographie.

Doch die unaufgeklärten Wähler weichen langsam einer Gruppe, die mit den Medien Computerspiel und Internet aufgewachsen ist. Die verstehen was geht und was Unsinn ist. Die erkennen, wo die tatsächlichen Probleme entstehen und dass irgendwelche ominösen Verbote das völlig falsche Mittel sind. Vielmehr noch, und das ist auch bei der Anhörung festgestellt worden, nutzt diese Generation die geschassten Medien als Plattform. Als Plattform für ein neues Politikverständnis. Als Plattform für den Widerstand und natürlich auch dessen Organisation.

Und plötzlich wird dann das Internet interessant, sind die Computerspiele und vor allem deren Spieler kein Entstehungspool für Amokläufer mehr.

Nein! Es muss Medienkompetenz her und damit das auch diesmal besser und richtiger läuft, wird sofort eine Kommision aufgestellt und liefert als Ergebnis das, was eigentlich schon längst bekannt ist.

Ja, das Ergebnis der Enquete-Kommission ist eine Genugtuung für mich, meine Vereinskollegen und allen, die seit Jahren immer wieder gegen die Windmühlenflügel der politischen Sturköpfigkeit ankämpften. Wie man das ganze nun interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen.

Ich für meinen Teil spuck in die Hände und freue mich, dass nun endlich für Ergebnisse gesorgt werden kann, nachdem die Bremsklötze endlich weg sind.


 
Quick Post
Im Forum diskutieren. (0 posts)

Unterstützen Sie uns!

Unterstützen Sie die Arbeit des Vereins mit einer Spende.
Zahlweise:
Währung:
 EUR
Betrag:
PayPal-Bezahlmethoden-Logo

Newsletter

Login Form