Gameparents.de zum Bericht der ZDF Sendung Aspekte vom 20.10.2006 PDF Drucken E-Mail
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Sonntag, den 22. Oktober 2006 um 19:40 Uhr

Der edle ZDF-Recke Dr. Rainer Fromm, seines Zeichens Kreuzritter gegen die bösen Computerspiele, hat in der Sendung Aspekte vom 20.10.2006 mal wieder auf die angeblich nicht funktionierende, altersgerechte Einstufung der USK bei Computerspielen hingewiesen.

Dabei wurde erneut suggeriert, dass Computerspiele ohne Probleme in nicht geeignete Hände gelangen können. Das Ganze wurde wieder einmal mit entsprechenden Bildern aus div. Computerspielen untermalt und publikumswirksam durch Interviews mit Kindern in Szene gesetzt.

Nun, wir wollen in diesem Beitrag nicht über den, unter anderen Gesichtspunkten sicherlich Diskussionswürdigen, Inhalt von Grand Theft Auto (GTA) sprechen, sondern über die Art, wie ein öffentlich rechtlicher Sender seine Zuschauer informiert; und zwar mit einer Art der Berichterstattung, wie man sie eigentlich von Boulevardblättern erwartet.

Die Kinder, die in dem Beitrag gefragt wurden, ob sie das Spiel (in diesem Fall wohl GTA) gespielt hätten, waren definitiv keine 16. Also hätte an dieser Stelle die Frage nicht lauten dürfen, ob hier die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) versagt hat, sondern wie diese Kinder an dieses Spiel gekommen sind. Denn hier wurde entweder an der Kasse des Geschäftes nicht aufgepaßt, was durchaus passiert, auch wenn der Verkäufer sich dadurch strafbar macht. Aber auf jeden Fall haben die Eltern dieser Kinder nicht darauf geachtet, was ihre Sprösslinge da spielen. Dabei ist es gerade bei Kindern und Jugendlichen auch die Regel, dass sie sich ihre Spiele selten im Laden kaufen, da diese für sie i.d.R. zu teuer sind. Da werden andere Quellen herangezogen die ihnen ermöglichen die Spiele ihrer Begierde zu beziehen. Sei es der Kumpel auf dem Schulhof, der mal eben einen CD oder DVD Rohling bekommt und das Spiel kopiert, oder noch einfacher, per Download aus dem Internet.

An dieser Stelle können nur die Eltern kontrollieren, was ihre Kinder spielen. Doch diese sind entweder zu arglos, zu desinteressiert oder einfach nicht in der Lage, dies festzustellen.

Doch dieser Punkt wird in keinster Weise in dem Beitrag erwähnt. Im Gegenteil, hier werden sogar eifrig, ohne weitere Hinweise, Szenen aus Computerspielen (z.B. Doom 3) gezeigt, die von der USK keine Jugendfreigabe erhalten haben und somit nur für erwachsene Spieler gedacht sind. Doch dem Zuschauer wird durch die Art des Beitrages suggeriert, es handele sich ebenfalls um ein Spiel mit falscher Alterfreigabe.

Die Forderung der Computerspielgegner ist eindeutig. Sie wollen den freien Bürger entmündigen und ihm klar vorgeben, was er zu spielen hat und was nicht. Das sie mit dieser Forderung Grundrechte verletzen, scheint ihnen dabei völlig egal zu sein. Das ganze erinnert stark an ähnliche Umbrüche in der Medienlandschaft. Da wurde auch alles neue, was die Älteren nicht verstanden haben, als Teufelszeug abgetan, welches es zu verbieten galt.

All dies geschieht unter dem Deckmäntelchen des Kinder- und Jugendschutzes. Dabei hat Deutschland klare Regeln zu diesen Themen. Das Problem mit Regeln ist natürlich, das deren Einhaltung nicht immer überprüft werden, in diesem Fall von den Eltern.

Denn würden Eltern mehr darauf achten, was ihre Kinder spielen, dann würden die in den Beiträgen angeprangerten Spiele wirklich nur von denen gespielt, für die sie auch eingestuft wurden.

Dass es Unstimmigkeiten darüber gibt, wie eingestuft wird, hat Frau Schulz, Leiterin der USK, ja auch zugegeben. Zudem hat sie ganz klar Gesprächsbereitschaft signalisiert, die Einstufungsregeln zu diskutieren und hier klarere Definitionen zu finden, die eine optimalere Einstufung bei Computerspielen gewährleisten. Die Einschätzung von Medieninhalten ist zudem abhängig von der persönlichen Betrachtungsweise. Das gilt übrigens auch für den Konsumenten dieses Mediums (hier sei dahingestellt ob nun Film oder Computerspiel). Der eine ist fasziniert von Darstellung der Szene, jemand anderes dafür von der Technik, mit der diese Szene präsentiert wird. Dass man darüber hinaus den individuellen Hintergrund und Entwicklungsstand des Konsumenten berücksichtigen muß, dürfte auch hinlänglich bekannt sein.

Aber auf all dies wird in dem Beitrag nicht eingegangen. Es werden ausgewählte Szenen gezeigt, die so richtig schocken sollen. Es wird ein Schuldiger gesucht und in der USK gefunden. Doch die wahren Verantwortlichen werden in keinster Weise erwähnt. Was aber am Schlimmsten ist, dass genau diese vor dem Fernseher diesen Bericht anschauen, den Kopf über diese unfähige USK schütteln und sich über die grausamen Spiele aufregen, während einen Raum weiter der 14-jährige Sohnemann den neusten Shooter ohne Jugendfreigabe daddelt.

 
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