Reale Waffen vs. Virtuelle Waffen PDF Drucken E-Mail
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Donnerstag, den 04. März 2010 um 10:37 Uhr
altEs gibt Aussagen von Politikern, da schüttelt man gerne mal den Kopf oder fasst sich an den selbigen. Das passiert sicherlich in vielen Bereichen. In keinem anderen Bereich fällt es aber so gravierend auf wie in der sogenannten "Killerspieldiskussion".

Viele Politiker, allen voran die Vertreter der CDU und CSU, haben hier mit Pauschalaussagen mehrfach gezeigt, dass sie den Hintergrund der neuen Medien nicht mal ansatzweise durchdrungen haben. Doch ist das Gepolter der polemischen Verbotsforderungen in den letzten Wochen und Monaten leise geworden. Ja, es kommen sogar aus einigen politischen Lagern vernünftige Vorschläge, wie mit diesem Thema am besten umzugehen sei. Sogar unsinnige und wirkungslose Aktionen wie die Sperrung von strafrechtlich relevanten Webseiten werden gekippt, um statt dessen eine nachhaltige Lösung einzusetzen, Stichwort "Löschen statt sperren".

Doch wir haben Wahlkampfzeit und die Festung NRW der CDU wankt. Deswegen muss hier Boden gut gemacht werden und somit wagt der Innenminister von Baden-Württenberg, Heribert Rech, zum bevorstehenden Jahrestag des schrecklichen Amoklaufes in Winnenden einen Vorstoß, mit dem er vermutlich die wahlkämpfenden Parteigenossen unterstützen möchte. In einem Interview mit dem SWR (s. Links unten) wendet er sich gegen ein Verbot von großkalibrigen Waffen. "Natürlich ist die Verfügbarkeit von Waffen ein Risikofaktor auch für Amoktaten" äußert er sich und "Ich setze sehr auf die Verantwortung von Vereinen und Verbänden". Das sieht er im Bezug auf Computerspiele deutlich anders, denn er meinte: "Killerspiele halte ich für abartig und gefährlich. Da sollten wir mit einem Verbot ernst machen."

Mal abgesehen davon, dass seine Aussage zu Computerspielen deutlich durch seine persönliche Meinung geprägt ist, ist das Paradoxe in seiner Aussage nicht zu übersehen. Da werden echte Waffen verharmlost und es wird auf die Verantwortung von Vereinen und Verbände gesetzt, im Gegenzug soll den Spielern diese Verantwortung durch den Staat abgenommen werden. Es drängt sich fast der Verdacht auf, dass Herr Rech Mitglied eines Schützen- oder Jagdverbandes oder -vereins ist und er von dieser Seite einen entsprechenden Auftrag erhalten halt. Zugegeben, diese Aussage ist reine Spekulation. Doch wenn man sich seine Äußerungen so anschaut, kann man schnell zu diesem Schluss kommen.

Dabei hat die Aufarbeitung der Amoktat vom 11. März 2009 durch den Expertenkreis Amok gezeigt, dass die Gründe für eine solche Tat vielschichtig sind und dass Verbote von Medien hier nicht zum gewünschten Erfolg führen können. Der Zugang zu echten Waffen hingegen ist von diesem Kreis durchaus problematisch gesehen worden.

Nun ist das Waffenrecht verschärft worden und Herr Rech möchte abwarten, wie es sich entwickelt. Das ist durchaus legitim, weil neue Regelungen sich erst einspielen müssen. Doch was ist beim nächsten Amoklauf? Es ist durchaus davon auszugehen, dass Herr Rech hier zunächst die Schuld wieder bei den Computerspielen suchen wird. Völlig ignorierend, dass die Tat sehr wahrscheinlich erneut mit echten Schusswaffen verübt würde.

Eines ist für mich schon jetzt klar. Ein Rettungsanker für die CDU ist seine Ansage nur bedingt. Denn die Zahl der Spieler im wahlfähigem Alter in Deutschland wächst. Mittlerweile kann sich keine Partei mehr erlauben, diese Wähler pauschal auf eine Stufe mit Gewalttätern zu stellen. Der enorme Ersterfolg der Piratenpartei bei der Bundestagswahl 2009 hat dies deutlich gezeigt.

Es wird langsam mal Zeit, dass auch die Politiker, die in ihrer starren und traditionellen Denkweise gefangen sind, sich im Bereich der Medienkompetenz fortbilden. Denn so sind sie keine Vertreter des Volkes mehr. So sind sie nur die ewig Gestrigen.

Links zum Thema

Interview mit Heribert Rech auf SWR
Newsmeldung auf GameStar.de


 
Diskutieren (1 Posts)
Reale Waffen vs. Virtuelle Waffen
Mar 04 2010 10:27:27
Sehr gutre Artikel. Es ist echt unglaublich das Politiker solche Aussagen treffen. Waffenbesitzern Vertrauen schenken aber Spielern nicht! Frechheit!
#5917

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