Die bayerische CSU hat ihre Forderung nach einem Verbot von sogenannten "Killerspielen" als Wahlkampfpropaganda entdeckt und die mittlerweile ruhiger gewordene Diskussion wieder hervorgeholt.
Der bayerische Innenminister , Joachim Hermann (CSU), hatte am 01.09.2008 in Berlin die am 01.07.2008 in Kraft getretenen Verschärfungen im im Jugendmedienschutz als unzureichend zurückgewiesen. Wieder einmal war die USK der Prügelknabe. So würde die Selbstkontrolleinrichtung von den Herstellern zum Aushebeln des Strafrechtes missbraucht. Ihm zur Seite standen sein Parteikollege Hans-Peter Uhl und der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsens , Christian Pfeiffer.
Einen ersten Dämpfer erhielt die Wahlkampfpropaganda aus den eigenen Reihen. Politiker aus der Unions-Bundestagsfraktion lehnten den Vorschlag der CSU Politiker strikt ab. Sie fordern statt dessen mehr Aufklärung. "Der illegalen Nutzung und Verbreitung wird durch ein Verbot Tür und Tor geöffnet", sagte die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär. Der Junge-Union-Vorsitzende Philipp Mißfelder warnte davor, die aufsteigende Wachstumsbranche der Computerspiel-Industrie pauschal an den Pranger zu stellen. Auch der Chef der Jungen Gruppe der Union im Bundestag, Marco Wanderwitz (CDU), stellte fest "Computerspiele für schlechte schulische Leistungen und Gewaltausbrüche verantwortlich zu machen, bedeutet die pauschale Verurteilung eines ganzen Wirtschaftszweiges".
Zudem wurde die Forderung eines Verbotes vom deutschen Kulturrat zurückgewiesen. Dieser hatte von einiger Zeit Computerspiele als Kulturgut anerkannt.
So richtig ins Fettnäpfchen getreten ist aber der Bayerische Philologenverband (bpv). Beim Versuch, den bayerischen Innenminister bei seinem erneuten Vorstoß zu unterstützen, wurde das Computerspiel "World of Warcraft" im Atemzug mit einem in Deutschland bereits verbotenen Spiel, "Manhunt ", und dem Vorzeigekanditaten wenn es um "Killerspiele" geht, "Counterstrike", genannt. Gerade die Nennung von Wow, was sicherlich dem Vorwurf der Suchtförderung ausgesetzt ist, aber in keinster Weise durch seine "Brutalität" bekannt ist und dem in Deutschland bereits verbotenem "Manhunt" zeigt deutlich die Wissenslücken der selbsternannten "Experten" auf dem Gebiet der Computerspiele. Gerade "Manhunt" ist ein Beweis für die funktionierenden Mechanismen in Deutschland.
Diese Diskussionen führen nur zu einem Ziel: Nämlich die völlige Verunsicherung von Eltern und allen, die sich mit den neuen Medien, speziell Computerspielen, nicht auskennen. Dass ein Verbot dieser Medien dafür sorgt, dass diese dann illegal und völlig ohne Kontrolle beschafft werden, kann mittlerweile als bewiesen angesehen werden. Anstatt immer die alten Geschichten aufzuwärmen, sollten sich die Verbotsbefürworter einmal intensive Gedanken darüber machen, wie man gezielt Eltern und Erziehende besser aufklären kann. Denn wenn diese technisch fit genug sind die neuen Medien zu verstehen und einzuordnen, wird der Jugendmedienschutz auch besser funktionieren.
Aus diesem Grund arbeitet GameParents.de e.V. zusammen mit dem Institut Spielraum , der FH-Köln, und dem ESL-Ligenbetreiber Turtle Entertainment GmbH an Veranstaltungen speziell für Eltern und Erziehende. Ziel ist es hierbei nicht, interessierte Erziehungsberechtigte mit Vorträgen zu langweilen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, die neuen Medien in der Praxis zu erfahren.
Quellen:
Heise Online vom 01.09.2008 - Bayern beharrt auf Verbot von "Killerspielen" Heise Online vom 04.09.2008 - Die Union zankt um ein Verbot von "Killerspielen" Pressemitteilung vom Deutschen Kulturrat vom 03.09.2008 - Verbot von Computerspielen: Ein schlechter bayerischer Running Gag Der Westen Online vom 09.09.2008 - bpv: Vorwürfe gegen USK und Gewaltspiele Der Westen Online vom 11.09.2008 - bpv rudert zurück und bringt sich in Verlegenheit Korrigierte Pressemeldung des Bayerischen Philologenverbandes vom 09.09.2008 - Philologenverband befürwortet Verbot sog. „Killerspiele“
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