Töten am Bildschirm - Frontal 21 schießt nach und gibt sich der Lächerlichkeit Preis PDF Drucken E-Mail
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Freitag, den 24. August 2007 um 11:58 Uhr

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Die Games Convention 2007, mittlerweile zur weltweit größten Fachmesse für Computerspiele gewachsen, läuft derzeit auf Hochtouren und zeigt der Öffentlichkeit ein Publikum völlig unterschiedlichen Alters und völlig unterschiedlicher Herkunft, dass sich in Leipzig im friedlichen Miteinander über die aktuellsten Trends und Neuerscheinen im Games-Sektor informiert. Doch pünktlich zur GC 2007 hat man sich beim Gamer’s Lieblings-Fernsehsender, dem ZDF, wohl gedacht, dass das doch bestimmt der richtige Zeitpunkt wäre, mal wieder so richtig Front gegen Computer- und Videospiele zu machen. Das Ergebnis: Der bereits am Dienstagabend ausgestrahlte Beitrag mit dem schönen Titel 'Töten am Bildschirm'.

Klar, die Motivation erscheint ja fast einleuchtend: Da verbreitet man schnell im Vorfeld der Messe noch ein paar Horrormeldungen, damit die typische ZDF-Klientel das komplette restliche Wochenende denken kann, da in Leipzig turnten gerade nur Massenmörder und total Verrückte rum, wann immer sie einen Bericht zur weltgrößten Spielemesse sieht. ‘Bombe druff und das ganze Pack ausräuchern’, wird sich Opa Heinz da wahrscheinlich nur noch denken. Die Botschaft des Beitrags lautet nämlich ungefähr so: Studien, die positive Effekte und Wirkungen von Computerspielen nachweisen, sind allesamt von der Industrie gekauft und deshalb unglaubwürdig.

Als Gegenargument zu solchen Studien darf wieder einmal Prof. Dr. Christian Pfeiffer zu Wort kommen, der die Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt läßt, um prompt Spielen wieder nur die allerschlimmsten Effekte zuzuschreiben. Wer regelmäßig virtuell töte, so sein Argument, werde nämlich irgendwann tatsächlich ein rücksichtslos brutaler Randalierer: “[…] je isolierter Jugendliche sind und je tiefer sie in die Welt des Tötens eintauchen […], es umso wahrscheinlicher wird, dass sie das, was sie aktiv am Computer tun, auch umsetzen, randalieren und gewalttätig werden“. Den kompletten Wortlaut gibt es im Videomitschnitt beim Videoportal Youtube. Die größte Jugendgefährdung geht dabei übrigens von dem Beitrag selbst aus, zeigt dieser nämlich Szenen aus in Deutschland nicht erhältlichen Versionen und ab 18-Titeln, die hierzulande nicht vor 23h über den Bildschirm flackern dürfen. Das, meine lieben Herrschaften vom ZDF, ist Missachtung des Jugendschutzesetzes und damit Jugendgefährdung und hat mit Aufklärungsarbeit nicht im Geringsten zu tun!

Möchte vielleicht noch jemand raten, wer diesen populistischen Unsinn mal wieder verzapft hat? Richtig, der Herr Dr. Rainer Fromm, interessierten Lesern sicherlich noch gut bekannt etwa durch seine vorherigen ZDF-Beiträge -wie etwa 'Videogemetzel im Kinderzimmer' - bekannt. Noch weitere Fragen? Mir jedenfalls ist es mittlerweile einfach zu müßig, jedesmal seine Beiträge auseinander zu nehmen und auf die tatsächlichen Gegebenheiten des deutschen Jugendschutzes hinweisen zu müssen. Das habe ich bereits zur Genüge an anderer Stelle getan. Zum Beispiel hier oder hier. Mal davon abgesehen steht Fromms derzeitige Argumentation auf mehr als nur wackligen Beinen. Genauso gut könnte man im Umkehrschluss behaupten, jede Studie, die negative Effekte bei Spielen nachweist, wäre von Industriegegnern gekauft.

Zum Schluss sei deshalb einfach nur nochmal die Anmerkung erlaubt, dass jeder, der Computerspielen skeptisch gegenüber steht, an diesem Wochenende in Leipzig ausführlichst die Möglichkeit hat, sich mal genauer mit dem Thema auseinander zu setzen. Für Eltern und Erziehungsberechtigte gibt es ja sogar jedes Jahr eine eigene Messehalle, die GC Family, quasi einer eigenen Schwestermesse nur für Euch! Da werden neben den großen Ausstellern USK und BPjM mit Sicherheit auch einige kompetente Teilnehmer des Netzwerkes Spielraum zu finden sein, die gerne jedem Elternteil beratend zur Seite stehen.

 
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