Stichwort sportliches Töten – Ein Gastkommentar von Christian Kobben PDF Drucken E-Mail
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Mittwoch, den 01. August 2007 um 12:53 Uhr

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Wie man es von den Medien (egal ob TV, Funk oder WWW) gewohnt ist, werden Beiträge zum Thema Gewalt in Videospielen oftmals entweder mit einer gehörigen Portion Zynismus oder mit einer fetten Brise erhobenem Zeigefinger gewürzt. Die taz ist mit ihrem online Artikel zum E-Sport ein sehr gutes Beispiel dafür. Die Redakteurin Anke Lübbert zeigt durch ihre Anmerkungen auf neunmalklug-Niveau jedenfalls wieder einmal, daß die Pressefreiheit in Deutschland zum großen Teil auch PresseFrechheit ist.

Wird im Teaser des Artikels eine sportwissenschaftliche Studie, ob E-Sport wirklich Sport ist angekündigt, verfängt sich der Rest des Artikels leider erneut in den typischen Dogmen der Killerspiel-Diskussion. Wir zitieren einmal:

"Anders als in Südkorea oder China, wo der elektronische Sport anerkannt ist, hat der e-Sport in Deutschland ein schlechtes Image. Frank Sliwka kann das nicht verstehen: “Wo ist denn der Unterschied zu Schach?”, fagt er, “das müsste dann auch als Killerspiel gelten.” Nun tragen Schachfiguren keine Kampfanzüge und der matt gesetzte König verliert kein Blut."

Natürlich tragen Schachfiguren keine Kampfanzüge (zumindest die gängigen Schachspiel Varianten), wenn die Profiboxerbrüder Klitschko in den Ring treten, darf das Blut der ko-geschlagenen Faustkämpfer aber gerne in alle Ringecken spritzen. Dann klatschen jedenfalls Tausende Zuschauer in der Halle Beifall und die Fernsehnation freut sich daheim auf den Sofa. Wenn man also Vergleiche zieht, dann bitte auch umfassend.

Aber sehr wahrscheinlich trägt Frank Sliwka, der Vorsitzende des E-Sport Bundes, selbst Schuld an der gedanklichen Singularität der taz Redakteurin, wenn er ihr diese Steilvorlage bietet, indem er erst einmal die strategische Komponente des virtuellen Räuber und Gendarm Spiels herausstellen möchte? Wohl kaum.

Dem Zitat vorangegangen ist übrigens ein typisches Bild, welches eine Reihe von E-Sportlern vor ihren PCs zeigt, gepaart mit folgender Bildunterschrift:

"Wie jetzt? Sie meinen, das sieht nicht nach Sport aus?"

Kann man sicher meinen. Aber wie war das noch mit Schach? Oder Dressurreiten? Umgangssprachlich wird mit Sport häufig erst einmal nur Wettkampf und Leistung assoziiert, was sich nicht nur in Begriffen wie Denksport, Gedächtnissport oder e-Sport manifestiert, sondern auch im Anspruch verschiedener Verbände reflektiert wird, unter anderem auch in der Akzeptanz des IOC.

Natürlich, motorische Fähigkeiten werden beim E-Sport nur den Armen und Augen abverlangt. Das ist aber beim Billiard oder beim Bogenschießen auch nicht anders. Wie eine Suchabfrage auf taz.de ergab, findet Billiard und Bogenschießen in der tageszeitung aber auch gar nicht statt. Da verwundert es auch nicht, daß Redakteurin Lübbert (oder wer sonst für die anscheinend gewollt komische Bildunterschrift verantwortlich ist) unter Sport anscheinend nur, das vollkommene Zusammenspiel aller Extremitäten des menschlichen Körper versteht.

Jeden seine Meinung, aber es verwundert dann auch nicht weiter, daß der E-Sport in Deutschland ein schlechtes Image hat, wenn sich die meisten Medien bei der Berichterstattung darauf beschränken, diesen entweder der reinen Verwerflichkeit oder Lächerlichkeit preiszugeben.

In diesem Zusammenhang ist es auch nicht überraschend, daß dem E-Sport Vorsitz am Ende des Artikels noch ein kluger Ratschlag auf den Weg gegeben wird:

"Für die Öffentlichkeitskampagne des e-Sport-Bundes wäre es vielleicht von Vorteil, Gewalt einfach auszuschließen. Aber keine Chance, für Sliwka steht das 'nicht zur Debatte'."

Vielleicht sollten sich die schon zitierten Kämpfer aus dem Boxsport auch auf eine Auseinandersetzung in einem digitalen Boxspiel beschränken, als kleiner Schritt für einen gewaltfreien Kampfsport? Ich möchte aber nicht einseitig wirken: Der Spiegel Online Artikel rund um die 10 brutalsten Fouls im Fussball zeigt deutlich, daß sich auch Abseits der typischen gewaltvollen Sportarten genügend Brutalität im anerkannten Sport findet.

Man hat übrigens auch noch die davon gehört, daß E-Sport Fans nach dem Betrachten eines Couter-Strike Matches aufeinander losgegangen sind. Wenn man der Logik des taz Artikels folgen würde, läge das aber sicher daran, daß die Liebhaber des digitalen Wettkampfes alle Eigenbrötler sind, die sich lieber daheim den nächsten Amoklauf ausmalen.

Info

Autor Christian Kobben schreibt täglich unter seinem Pseudonym Arkion Artikel zur Computer- und Videospielkultur in seinem Weblog www.arkion.de.

 

 
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