| Aufruf für den seriösen und kompetenten Journalismus |
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| Freitag, den 23. Februar 2007 um 20:05 Uhr | ||||
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Ein Kommentar zum Beitrag "Morden und Foltern als Freizeitspaß - Killerspiele im Internet" in der Sendung Panorama vom 22.2.2007 Der Beitrag reiht sich nahtlos in die inkompetente und populistische Meinungsmache ähnlicher Sendungen wie Frontal 21, Aspekte und Hart aber Fair ein. Es wird zusammengeschnitten, gelogen und verschwiegen, wie es schlimmer kaum noch geht. Beispiele: Die gezeigten Spiele (Doom 3, GTA San Andreas USA Version, Der Pate Originalversion) sind in dieser Form in Deutschland schon lange indiziert und selbst für Erwachsene nicht einfach zu beschaffen. Indiziert heißt: Keine Werbung, kein offener Verkauf, keine Berichte in der Presse. An Jugendliche dürfen auch die in Deutschland verkauften Versionen (keine Jugendfreigabe) nicht abgegeben werden. Die angebliche Vergewaltigungsszene aus GTA San Andreas stammt aus einer in der Verkaufsversion nicht zugänglichen Modifikation, die letztes Jahr quer durch alle Medien als Hot-Coffee-Mod bekannt wurde. Damit werden ein paar harmlose Sex-Minispiele freigeschaltet. Davon ist in der Sendung natürlich keine Rede mehr, hier wird es zur Vergewaltigung, die ein Hauptziel des Spiels sein soll. Das Umbringen von harmlosen Passanten bei GTA wird gnadenlos bestraft, indem der Fahndungslevel heraufgesetzt wird und die Polizei die Verfolgung aufnimmt. Es folgt auf eine Untat also eine Benachteiligung des Spielers. Deshalb kann das Ziel des Spiels wohl kaum das Morden und Foltern sein. Fragt sich, wie und warum dieser Beitrag zustande kam, nachdem ähnlich miserable Sendungen harte Kritik hatten einstecken müssen. Hier meine Theorie: Der Bundesrat schmettert den bayrischen Antrag auf Verbot von "Killerspielen" auf unbestimmte Zeit ab. Sowohl Herr Beckstein als auch der niedersächsische Innenminister Schünemann sehen ihre Chancen schwinden, sich bei ihrer konservativen Wählerschaft beliebt zu machen und lancieren den Beitrag, der bezeichnenderweise vom NDR (!) produziert wurde. Derselben Sendeanstalt, deren Innenminister Herr Schünemann ist. Ich glaube hier nicht mehr an einen Zufall. Das war meiner Meinung nach ganz klar eine Propagandasendung als Reaktion auf die Bundesratsentscheidung. Der zitierte Experte der "Internet-Sicherheitsfirma" würde bei einem Verbot von Ego-Shootern viel Geld mit seiner Zensursoftware verdienen, deshalb ist er logischerweise dafür. Außerdem durften Herr Schünemann, Herr Beckstein und ein bayrischer Kriminalbeamter ihre Meinung verkünden. Die einzige Gegenstimme, Frau Zypris, wurde als schwach und inkompetent abgetan. Unabhängige Experten oder auch nur Meinungen der Gegenseite wurden unterschlagen, genauso wurden alle Reaktionen auf die letzten Sendungen dieser Art schlichtweg ignoriert. Auch die Aufforderung, sich mit Leuten zusammenzusetzen, die etwas von der Materie verstehen, verhallte bei den Öffentlich Rechtlichen Anstalten wohl ungehört. Die beiden erwachsenen Computerspieler wurden aus einem 5-stündigen Interview heraus genau mit den Aussagen zitiert, die die Meinung der Verbotsbefürworter unterstützen. Das Grinsen des Spielers, scheinbar diabolisch nach dem "Töten" eines Gegners entstand nach eigener Aussage in Wirklichkeit durch eine lustige Bemerkung von seinen Mitspielern über das Headset. Das Entleeren eines Magazins in den Kopf eines schon ausgeschalteten Gegners stammt von einer anderen Quelle, nicht von dem gezeigten Spieler. Nach den Leitlinien der ARD hätte diese Sendung niemals zur Ausstrahlung kommen dürfen: "Das Gemeinschaftsprogramm der ARD, Das Erste, sowie die weiteren Gemeinschaftsangebote – PHOENIX, ARTE, 3sat, die digitalen Kanäle oder unser Onlineservice – garantieren eine solche seriöse und kompetente Berichterstattung zu allen relevanten Themen der Zeit." Angesichts dieses Beitrags strotzt das vor Hohn: Die Sendung war weder seriös noch kompetent. Herr Schünemann ist inzwischen als völlig inkompetent bekannt, wenn es um Jugendkultur und Computerspiele geht und als Mitglied eines Schützenvereins mit Sicherheit nicht in der richtigen Position, um gegen Gewalt in Computerspielen zu hetzen. Weiter heißt es: "Die Erfüllung ihres Programmauftrags verbindet die ARD mit einem auf Werten wie Menschenwürde, Toleranz und Minderheitenschutz gründenden Qualitätsanspruch. Besonders in den Kernbereichen Information, Bildung, Beratung und Kultur zählen journalistische Kriterien wie unabhängige Recherche, sorgfältige Auswahl, sachkundige Aufbereitung, objektive Darstellung und anschauliche Vermittlung zu den wesentlichen Erkennungsmerkmalen. " Der Beitrag war weder unabhängig recherchert, noch sorgfältig ausgewählt, von Sachkunde keine Spur, Objektivität Fehlanzeige, also schlicht Propaganda. Was die Toleranz und den Minderheitenschutz angeht: Die Minderheit von fast 4 Millionen erwachsenen Computerspielern hierzulande wird ebenfalls mit Füßen getreten, denn nach der Darstellung der ARD handelt es sich dabei um brutale, menschenverachtende und Nazis liebende Verbrecher. Soviel zu dem Anspruch, im digitalen Medienzeitalter kompetent aufzutreten. Fazit: Die Berichterstattung ist genauso erbärmlich falsch und verlogen wie die des ZDF (Frontal 21 und Aspekte) und des WDRs (Hart aber fair). Hier wird Staatsfernsehen als Propagandamachine betrieben und die Bürger zahlen auch noch selbst dafür. Der Auftrag für diesen Beitrag schien zu lauten: Nehmt alle schon einmal gezeigten brutalen Szenen, interviewt "Killerspiel"-Spieler solange, bis ihr was für uns Brauchbares dabei habt, schneidet das alles so zusammen, dass es Computerspiele verteufelt und die breite Masse dagegen einstellt und bringt das zur besten Sendezeit. Es wird Zeit, dass die Spieleindustrie und die Spieler etwas gegen diese Art der Volksverdummung unternehmen. Schaltet Anzeigen, Plakate, macht Werbung für Computerspiele. Klärt eure Verwandten und Freunde auf. Eine sehr gute Erwiderung auf den Beitrag hat Gamestar veröffentlicht:
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