| Aufmarsch der kostenlosen Spiele |
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| Freitag, den 27. Februar 2009 um 15:02 Uhr | ||||
Dass im Internet kostenlose Spiele zu finden sind, dürfte vielen bekannt sein. Doch die bisherigen Spiele waren, mit Ausnahme von einigen komplexen Browserspielen, häufig nur für den schnellen Spielspaß für Zwischendurch geeignet.Zwar gibt und gab es auch immer wieder Probierversionen (Demos) von großen, kommerziellen Spieleproduktionen, doch einem echten Vergleich mit den Vollpreisprodukten konnten auch diese nicht standhalten. Vollwertige kostenlose Spiele waren bisher, abgesehen von illegalen Kopien, sehr selten. Es gibt zudem aus dem Open Source Bereich das ein oder andere Spiel, mit dem man sich die Zeit vertreiben kann, und welches deutlich mehr Inhalte bietet als ein Browsergame. Doch häufig haben diese im Vergleich mit aufwändigen Produktionen verschiedene Schwächen, z.B. im Bereich Grafik, Spieldesign und so weiter, die man auf Dauer so nicht akzeptieren möchte. Doch in den letzten Monaten hat sich das Bild gewandelt: Eine Reihe von Spielen, entwickelt von zum Teil etablierten Spieleherstellern, wird kostenlos erhältlich sein. Hierbei handelt es sich tatsächlich nicht um Minispielchen oder Schnupperversionen, sondern um vollwertige Spiele. Natürlich heißt das nicht, dass die Hersteller nun kein Geld mehr mit ihren Produkten verdienen wollen. Diese Spiele haben eines gemeinsam. Es sind durch die Bank Spiele, die über das Internet mit oder gegen andere Spieler gespielt werden. Und hier machen sich die Entwickler die Eitelkeit mancher Spieler zunutze: Wer sich nämlich aus der grauen Masse der Spieler abheben möchte, kann spezielle Gegenstände kaufen und somit seine Spielfigur, überwiegend optisch, spezialisieren. Und das natürlich gegen echtes Geld. Als Beispiel soll hier das Onlinerollenspiel (MMORPG) "Runes of Magic" angeführt werden. Dieses Spiel kann, nach Aussage von einigen erfahrenen WoW-Spielern, durchaus mit dem sehr beliebten, aber kostenpflichtigen Onlinerollenspiel des Herstellers Blizzard konkurieren. Es kommt zwar noch lange nicht an dessen Spieltiefe und Möglichkeiten heran, bietet aber doch schon eine ganze Menge an Inhalten und es läßt sich komplett ohne Gebühren spielen, den Internetzugang mal außen vor. Finanziert werden soll dieses aufwändige Projekt durch sogenannte Mikrotransaktionen. Gegen echtes Geld erwerben Spieler "Diamanten", eine der im Spiel verwendeten Währungen. Für diese Diamanten können dann bestimmte Dinge im Spiel gekauft werden. Das reicht von speziellen Tränken, über Reittiere (ein permanentes Pferd kostet umgerechnet 15,-- Euro) oder spezielle Einrichtungsgegenstände für das virtuelle Zuhause. Einen wirklichen Vorteil hat man durch diese "Items" nicht. Durch ein Reittier kommt man schneller in der Spielwelt voran oder bekommt kleinere Vorteile beim Sammeln von Erfahrungspunkten. Es gibt aber keinen wirklichen Grund, Geld für dieses Spiel auszugeben. Und doch ist, zumindestens in Asien, wo das Spiel schon gespielt wird, der finanzielle Erfolg gegeben. Auf dieser Basis entstehen zurzeit eine Reihe von Spielen aus unterschiedlichsten Genres. So entsteht ein kostenloser Ableger der Battlefield Reihe (Battlefield Heroes) dem zwar die taktische Tiefe der bisherigen Spiele fehlt, der dafür aber für Einsteiger und Gelegenheitsspieler interessant ist. Auch hier können über diese Mikrotransaktionen Gegenstände für die eigene Spielfigur gekauft werden. Anders als "Runes of Magic" ist dieses Spiel ein Actionspiel. Die Abwicklung von solchen Transaktionen erfolgt über unterschiedliche Wege. Ganz klar läßt sich alles mit Kreditkarte finanzieren. Da dieses Zahlungsmittel, zumindest in Deutschland, nicht sehr weit verbreitet ist, werden auch andere Zahlungsmöglichkeiten angeboten. Bei "Runes of Magic" gehört unter anderem der Onlinebezahldienst PayPal zu den angebotenen Optionen. Neben dem Verkauf von Spielgegenständen gegen echtes Geld wird zudem Werbung als Mittel zur Finanzierung verwendet. Das Problem bei Werbung im Bereich der Computerspiele ist, dass diese in irgendeiner Art zum Szenario des Spiels passen sollte. In einem Fantasy Rollenspiel macht sich ein virtuelle Plakat mit Werbung nicht sonderlich gut. Im Gegenteil, es dürfte von den Spielern sogar als extrem störend empfunden werden. Aber es gibt genügend Sportspiele in denen Werbung einfach zum Szenario dazugehört und auch für andere Genres ist Werbung in einer entsprechenden Umgebung durchaus stimmig. Bedeutet diese Entwicklung den Untergang der normalen Spieledistribution? Ein ganz klares "Nein". Das klassische Vertriebsmodel von Computerspielen wird sicherlich noch viele Jahre erhalten bleiben. Auch wenn sich der Vertriebsweg weg vom Datenträger und hin zum "Download"-Portal entwickelt: Die Zielgruppen sind einfach zu unterschiedlich. Traditionelle Vollpreisspiele sind für einen anderen Kundenkreis gedacht als die Spiele, die sich über andere Wege finanzieren. Ob es bald Spiele gibt, die sich mit einem ähnlichen Finanzierungskonzept auch an die sogenannten "Hardcoregamer" richtet, bleibt abzuwarten. Das jetzige Experiment dient dazu, den Markt der Gelegenheitsspieler, oder "Casualgamer" wie sie fachlich heißen, zu erschließen und auszuloten. Dass hierbei auch qualitativ gute Arbeit angeboten wird, zeigt sich schon jetzt. Es ist davon auszugehen, das sich das Angebot noch deutlich erweitern wird. Davon profitiert letztlich der Spieler. Er hat die Möglichkeit, sich in einem sehr abwechslungsreichen Spielangebot für sehr wenig Geld nach Herzenslust auszutoben. Und das ist doch keine schlechte Entwicklung. Doch wie sieht es mit dem Jugendmedienschutz aus? Die Verteilung dieser Spiele erfolgt zum einen über das Internet als "Download". Ausgestattet mit Zusatzinhalten, sollen einige dieser Spiele aber auch auf Datenträger im Laden veröffentlicht werden. Bei den "Ladenversionen" ist die Regelung klar. Diese Spiele sind von der USK einzustufen und diese Einstufung kann auch auf die reine "Online"-Variante übertragen werden. Bei Spielen, die nicht auf Datenträgern veröffentlicht werden, fällt dieser Zwang für eine USK Einstufung weg. Das dürfte bei vielen Spielen, vor allem Onlineshooter, zu einigen Problemen führen. Denn grundsätzlich sind diese Spiele ja kostenlos. Zwar muss man sich für diese Spiele registrieren, aber eine Altersüberprüfung findet normalerweise nicht statt. Aus diesem Grund werden wir diesen Bereich des Spielemarktes beobachten und diese Spiele auch bei uns vorstellen. Eltern sollten dann anhand unserer Beschreibung einschätzen können, ob diese Spiele für ihre Kinder geeignet sind, oder nicht.
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