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Hohe Wellen, vor allem bei Facebook, schlägt die neue "Like"-Button Variation, die vor kurzem vom Heise Verlag auf seiner Webseite eingeführt wurde. Die Reaktionen von Seiten des sozialen Netzwerkes zeigt deutlich, wie wichtig dem US Unternehmen die Daten sind, die über diese unscheinbaren Schaltflächen gesammelt werden.
Doch worum geht es überhaupt?
Jeder kennt mittlerweile die unterschiedlichen Schaltflächen in Onlineartikeln, Newsmeldungen und diversen anderen Publikationen auf Internetseiten. Über diese Schaltflächen kann man Onlinebeiträge unterschiedlich bewerben. So kann man zum Beispiel über den "Mag ich"-Button (Like) von Facebook die Popularität steigern, oder direkt in die eigene Profilseite via "Empfehlen" einbinden, oder per Twitter in die Welt hinauszwitschern.
Für den Autor des Inhaltes bedeutet dies: Sein Beitrag verbreitet sich sehr schnell und wird deutlich häufiger gelesen, als wenn es diese Möglichkeit der "Mund"-Propaganda nicht gäbe. Das ist im Interesse eines jeden, der online publiziert, deshalb ist der Anreiz groß, diese Mittel anzuwenden. Dabei lassen sich alle Arten von Medien bewerben, seien es Texte, Bilder, Videos oder Audio. Es betrifft grundsätzlich alle Medien, die Online verfügbar sind.
Was jedoch die wenigsten wissen ist: Auf diese Weise werden Daten vom Benutzer an die Betreiber der sozialen Netzwerke weitergereicht. Denn die Einbindung einer solchen Schaltfläche und die damit verbundene Funktionalität erfolgt über Schnittstellen, die vom Betreiber des jeweiligen Dienstes bereitgestellt werden. Vor allem wenn auch Daten zurückgeliefert werden, wie etwa die Anzahl der Leute, denen etwas gefällt. Wenn dann zusätzlich der Besucher einer Webseite im selben Browser bei dem entsprechenden Netzwerk angemeldet ist, lassen sich die so gewonnenen Daten direkt mit einer existierenden Person verknüpfen. Auf diese Weise lassen sich die Spuren eines Nutzers im Web bequem und fast lückenlos nachverfolgen. Das Ergebnis ist ein Nutzerprofil, welches deutlich die Interessen des Nutzers aufzeigt und auch seine Prioritäten.
Da inzwischen der "Like"-Button ins Visier der Datenschützer gerückt ist, wurde nach Untersuchungen deutlich, dass hier viel mehr Daten erhoben werden, als dem normalen Internetsurfer bisher wohl bewusst war.
Auf Basis dieser Erkenntnisse hat der Heise Verlag die 2-Klick-Lösung eingeführt. Hierbei sind, sofern der Besucher der Webseite dies wünscht, zwei Klicks notwendig um einen Artikel bei diversen sozialen Diensten wie Facebook, Twitter oder Google+ zu kennzeichnen. Mit dem ersten Klick aktiviert man bewusst die Verbindung zum Netzwerk. Vorher werden, wie es vom Bundesdatenschutzgesetz gefordert wird, keine Daten an die jeweiligen Betreiber übermittelt. Erst nachdem "die Verbindung steht", lässt sich die Bewertung beziehungsweise Werbung für den Beitrag wie gewohnt durchführen und auch das Ergebnis ist so wie man es kennt.
Wo liegt nun der Vorteil?
Der Benutzer muss sich explizit dazu entscheiden, seine Daten bekanntzugeben. Es wird also nicht automatisch übermittelt, dass er heise online aufgerufen hat und einen bestimmten Artikel liest. Erst wenn er bewusst die Schaltfläche aktiviert, werden diese Daten den Betreibern bekannt gemacht. Somit handelt Heise, und jeder der diese Technik übernimmt, völlig gesetzeskonform, während den Benutzern lediglich ein weiterer Klick abverlangt wird. Damit diese Technik in Zukunft stärker eingesetzt wird, hat Heise den dazu notwenigen Code und die entsprechenden Funktionen für alle unter der MIT-Lizenz bereitgestellt.
Dass Facebook mit dieser Lösung überhaupt nicht einverstanden ist, zeigen die doch heftigen Reaktionen auf deren Veröffentlichung. Tina Kulow von Facebook sieht einen Verstoß gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen, in denen steht: "8. You must not use or make derivative use of Facebook icons, or use terms for Facebook features and functionality, if such use could confuse users into thinking that the reference is to Facebook features or functionality.".
Übersetzt bedeutet das: "Sie dürfen keine Ableger von Facebook-Icons erstellen oder benutzen oder Begriffe für Facebook-Dienste und -Funktionen verwenden, wenn diese den Benutzer fälschlicherweise annehmen lassen, Facebook-Dienste und -Funktionen aufzurufen".
Kurz: Es ist verboten, wie Facebook auszusehen, wenn dahinter nicht wirklich Facebook steckt. Das Ansinnen ist legitim.
Jedoch ist dieser Passus im konkreten Fall gar nicht anwendbar, denn Heise verwendete das Facebook-Like-Icon zwar in Kombination mit einer vorgeschalteten eigenen Funktion, am Ende des Tages wird mit dem Like-Icon aber immer noch die originale Facebook-Funktion aufgerufen. Anscheinend sind die durch den Like-Button unfreiwillig erhobenen Daten für Facebook aber so wichtig, das es sogar dem mächtigen Heise-Verlag mit einer gut ausgestatteten Rechtsabteilung droht, in Zukunft die Artikel des Verlags mit Hilfe einer Blacklist aus dem sozialen Netzwerk zu verbannen.
Inzwischen haben sich aber auch hier die Wogen geglättet. Facebook ruderte zurück, nachdem Heise den deaktivierten "Like"-Button anders gestaltet hat und somit keine Ähnlichkeit mit der normalen Schaltfläche besteht. Tina Kulow twitterte hierzu: "Um es klar zu stellen: 2-klick-Button ist nicht ideal - aber kein Problem. Nur ein Like-Button der grafisch so tut als ob er einer ist, ist nicht ok. Das ist alles."
Vielleicht sollte gerade diese Reaktion von Facebook auch von den Benutzern als Anlass zum Nachdenken genutzt werden, die sich über die Wichtigkeit ihrer Daten bisher noch zu wenig oder keine Gedanken gemacht haben.
Wir von GameParents.de e.V. begrüßen auf jeden Fall den Vorstoß von Heise und werden versuchen, diese Lösung auch für unsere Webseite zu verwenden, nachdem wir aufgrund von Datenschutzbedenken bisher davon abgesehen haben.
Weiterführende Links:
Heise stellt 2-Klick-Button vor
Facebook wehrt sich gegen Heise Lösung
Heise gibt Funktionen und Code für die 2-Klick-Lösung frei
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