| Auslaufmodell Privatsphäre |
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| Dienstag, den 06. Juli 2010 um 14:59 Uhr | ||||
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Egal ob man Fotos bewertet, sich über kuriose Videos austauscht oder aber seine Freundschaften inklusive der Aktivitäten sofort online pflegt. Jeder, der hier aktiv teilnimmt muss zunächst Daten über sich preis geben und mit jeder Bewertung, jeder Bemerkung, jeder Aktion hinterläßt man weitere Spuren die sich auswerten lassen. "Kunde, das unbekannte Wesen" Dieser Spruch gilt nur noch bedingt. Denn die Analyse vom Kaufverhalten, Interessen und Aktivitäten läßt es zu, dass wir zu gläsernen Menschen werden und somit gezielt mit Produkten beworben werden können, die uns tatsächlich interessieren (könnten). Dass diese Technik schon intensiv genutzt wird, dürfte jeder schon bei seinen normalen Webrecherchen bemerkt haben. Man gibt einen harmlosen Suchbegriff ein und erhält entsprechend kommerzielle Ergebnisse vor den freien. Selbst die Suche nach einem Ort bringt sofort die passenden Reiseangebote. Natürlich sind dies im ersten Moment recht harmlos erscheinende Auswirkungen und vielleicht sieht der ein oder andere dort auch einen Nutzen für sich. Aber alles hat zwei Seiten und die beginnen dort, wo man die Kontrolle verliert. Nicht umsonst gibt es "Personensuchmaschinen" wie Yasni. Wenn man hier sich einfach mal die Zeit nimmt und sich selber aus dem "Web" herausfiltert und hier mit weiteren Verknüpfungen ein vollständiges Profil erstellt, wird man feststellen, dass viele Dinge, denen man sich vielleicht nie bewusst war, plötzlich direkt mit einem in Verbindung gebracht werden können. Je nachdem wie intensiv die Recherche nach einer Person betrieben wird, um so mehr läßt sich auch erfahren. Mittlerweile gibt es Firmen, die sich darauf spezialisiert haben und für viel Geld die Webgewohnheiten von Bewerbern im Auftrag der möglichen Arbeitgeber durchleuchten. Da reicht es teilweise schon, die falschen Leute in den Freundeslisten zu haben und schon ist man von der Bewerbeliste gestrichen. Aber "Web 2.0" mit seinen Netzwerken und sozialen Diensten funktioniert nur dadurch, dass man bereit ist auf einen Teil seiner Privatsphäre zu verzichten. Aber wer entscheidet was gezeigt wird und was nicht? Es ist schon sehr erstaunlich, wie unterschiedlich Privatsphäre und Datenschutz wahrgenommen werden. Denn gerade bei sozialen Netzwerken erfolgt häufig ohne viel Nachdenken der Datenstriptease, während alleine schon die Erwähnung von Googles "Streetview" einen Lynchmob auslösen kann. Allerdings muss man erwähnen, dass diejenigen, die am lautesten Schreien häufig wenig bis nichts mit Social Communities zu tun haben und eher der Pre-Web-Ära angehören. Häufig wüssten sie nicht einmal, was Streetview ist, würde es nicht in Printmedien und Fernsehnachrichten thematisiert. Haben wir es hier mit einer aussterbenden Generation, zu denen ich mich auch zähle, zu tun? Ich bin durchaus gewillt diese Frage mit "Ja" zu beantworten. Denn wenn man sieht wie überwiegend junge, Menschen trotz mahnender Worte ihre Daten in die Welt hinaustragen, dann erkennt man, dass hier die Dinge ganz klar anders gesehen werden. Sicherlich auch mit einer gewissen Portion Leichtsinn und so wie wir nicht immer in unserer Kindheit und Jugend auf die mahnenden Worte der Älteren gehört haben, genausowenig macht das die junge Generation von heute. Dabei sind sie bei weitem nicht so leichtsinnig, wie wir alle glauben. Sie wissen sehr wohl welche Daten wer zu sehen hat und welche nicht und auch die willkührliche Fummelei von Facebook an den Einstellungen der Privatsphäre lässt sie nicht kalt. Laut und heftig wurde und wird auf die gierigen Finger von Facebook geklopft und die Kontrolle über die eigenen Daten gefordert. Mit Erfolg. Dies zeigt: Auch wenn heute lockerer mit persönlichen Informationen umgegangen wird und jeder mehr über sich preis gibt, als es in der Vergangenheit der Fall war, so ist die Privatsphäre noch kein Auslaufmodell. Sie wird anders gehandhabt, ja. Aber tot ist sie noch lange nicht. Weiterführende Links Heise News: Privatsphäre ist nicht mehr Zeitgemäß Heise News: Facebook rudert bei den Profileinstellungen zurück
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