Facebook - Privatsphäre adé? - 1. Teil PDF Drucken E-Mail
Benutzerbewertung: / 1
SchwachPerfekt 
  
Donnerstag, den 07. April 2011 um 00:00 Uhr
Serien-LogoFacebook hat in den vergangenen Jahren massiv an Nutzern gewonnen und ebenso massiv die Anreize ausgebaut, seine persönlichen Daten, Vorlieben und Beziehungen preiszugeben. Ebenso ausgebaut wurden die Möglichkeiten, auch außerhalb der Facebook-Seiten Kontakt mit dem Netzwerk zu halten, so dass Facebook auch Informationen über das Nutzerverhalten im Internet bekommt, ohne dass derjenige dies explizit bei Facebook eingibt.



1. Was ist Facebook?

Die offizielle Darstellung

Bei Facebook handelt es sich um ein kostenloses soziales Netzwerk, beheimatet in den USA. Es bietet eine ganze Reihe attraktiver Dienste, um mit Menschen auf aller Welt, vordringlich jedoch dem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis in Verbindung zu bleiben.

Eine zentrale Funktion ist es, die eigenen Interessen anderen mitzuteilen, etwa über Statusmeldungen, Link-Hinweise oder neuerdings durch den "Gefällt mir"-Button, der auch auf Webseiten Dritter eingebunden werden kann: Eine interessante Werbemöglichkeit für Webseitenbetreiber.

Facebook bietet auch die Möglichkeit, bisherige eigene Webseiten, Chats, Blogs, E-Mail und Online-Bildgalerien zu ersetzen. Durch die nahtlose Integration in alle anderen Gemeinschaftsfunktionen fällt es sehr leicht, Informationen zu veröffentlichen und weiterzugeben. Die Motivation, sich anderen mitzuteilen und im Netzwerk präsent zu sein, wird durch zahlreiche Komfortfunktionen hochgehalten.

Online-Spiele und Facebook-Apps ergänzen das interaktive Angebot. Partnerseiten können nach Einwilligung des Nutzers seine Daten bei Facebook dazu nutzen, personalisierte Angebote und Informationen zu zeigen.

Der Datenschutz wird laut Facebook groß geschrieben und steht im Einklang mit der deutschen Gesetzgebung. Unter andem nimmt Facebook am Safe Harbour-Programm der USA teil. Der Nutzer hat die volle Kontrolle über seine Daten.

Die kritische Darstellung

Facebook nimmt inzwischen eine ähnliche Stellung am Markt ein wie Ebay, Paypal, Google oder Amazon: Es ist das führende und am stärksten wachsende soziale Netzwerk und hat damit fast eine Monopolstellung [1] inne. Will man heutzutage Menschen im Internet erreichen, führt fast kein Weg mehr an Facebook vorbei.

Eine Quasi-Monopolstellung hat aber auch zur Folge, dass sich Menschen gezwungenermaßen dort beteiligen müssen, weil es entweder ungleich höheren Aufwand beteutete, andere Wege der Werbung und Kommunikation zu beschreiten oder die Zielgruppe schlicht anders nicht zu erreichen ist.

Facebook ist keineswegs kostenlos: Bezahlt wird mit persönlichen Daten über die eigene Person, eigene Vorlieben, das eigene Verhalten, eigene Bewegungen und dem eigenen Konsum. Das ist aber noch nicht alles. Durch die massive Vernetzung - ein Kernelement jeden sozialen Netzwerks - gibt man auch Informationen über Dritte preis: Freunde, Bekannte, Familie, Arbeitskollegen. Diese müssen noch nicht einmal selbst Facebook-Nutzer sein. Etwas überspitzt, aber treffend dargestellt wird das in diesem Video [2].

Die Datenschutzeinstellungen von Facebook wurden in der Vergangenheit schon mehrfach scharf kritisiert [3]: Sie seien unübersichtlich, im Standard viel zu offen und teilweise irreführend, sowie in Teilen mit deutschem Recht nicht vereinbar. Die Entwicklung der Standard-Datenschutzeinstellungen wird hier anschaulich dargestellt: 2005-2010 [4]. Facebook hat ein großes Interesse daran, so viele Daten wie möglich egal woher zu sammeln und den Austausch zwischen seinen Nutzern zu forcieren, so dass damit zu rechnen ist, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt.

Da Facebook US-amerikanischem Recht unterliegt, ist die Nutzung für europäische Benutzer besonders pikant: Ausländer genießen in den USA überhaupt keinen Datenschutz. Daran ändern weder die Datenschutzeinstellungen des Benutzers noch  das Safe-Harbour-Abkommen [5] etwas.

Daraus folgt:

Alle Daten, die bei Facebook gespeichert sind, sind Freiwild für Werbepartner, Geheimdienste, Anwendungsentwickler und grundsätzlich jeden, der ein Interesse daran hat und bereit ist, den Preis zu zahlen.

Die Verleihung des Big Brother Awards an Facebook [6] unterstreicht diesen Kernsatz.

Damit schließt der erste Teil der Artikelserie.

Quellen:
[1] Tim Berners-Lee bei Spiegel Online
[2] Textdo.de - Datenschutz bei Facebook
[3] Expertenanalyse zu Facebook und Datenschutz bei Spiegel Online
[4] The Evolution of Privacy on Facebook
[5] Safe Harbor - Kein sicherer Hafen für personenbezogene Daten
[6] Verleihung des Big Brother Awards 2010/2011 an Facebook

Ausblick:

Teil 2 befasst sich mit dem Phänomen soziales Netzwerk und die verblüffende Freizügigkeit seiner Nutzer (in Arbeit).

Teil 3 wird die einzelnen Facebook-Dienste genauer unter die Lupe nehmen und Einschätzungen zur Gefährdung der eigenen Privatsphäre sowie derer Dritter geben (geplant).

Weitere Teile werden je nach Bedarf gereicht, etwa, um bestimmte Aspekte noch einmal genauer zu betrachten oder um zukünftige Entwicklungen zu berücksichtigen.

 
Quick Post
Im Forum diskutieren. (0 posts)

Unterstützen Sie uns!

Unterstützen Sie die Arbeit des Vereins mit einer Spende.
Zahlweise:
Währung:
 EUR
Betrag:
PayPal-Bezahlmethoden-Logo

Newsletter

Login Form