Meinung: Kehrt nun endlich Vernunft ein in die Politik? PDF Drucken E-Mail
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Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 13:00 Uhr
altEs ist geschafft. Dank einer Online-Petition mit rund 73.000 Zeichnern und massiver Kritik aus der Spielebranche wurde die Verschärfung des Jugendmedienschutzgesetzes abgewendet. Anders als in der Vergangenheit folgten die Politiker der Bundestagsfraktionen der Argumentation der Petitenten und machen nun endlich sinnvolle Schritte in der Informations- und Mediengesellschaft: Aufklärung und Unterstützung statt Verbote.

Lange hat es gedauert. Nach jedem Amoklauf eines jugendlichen Täters kam die immer gleiche Forderung nach Verboten sogenannter "Killerspiele" auf, vorzugsweise von Menschen, die in ihrem Leben noch nicht ein Computerspiel gespielt hatten, gleich welches. Ohne den geringsten wissenschaftlich belastbaren Bezug zwischen Spiel und Tat herleiten zu können. Ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, was ein "Killerspiel" eigentlich sein soll. Menschen, die offensichtlich komplett den Anschluss an das 21. Jahrhundert verloren haben, oftmals ironisch als "Internetausdrucker" betitelt, solche, denen das wahre Wesen des Internets und seiner Kommunikationsformen, aber auch der Neuen Medien wie Computer- und Videospiele völlig fremd sind.

Auch nicht besonders hilfreich ist, dass sich die wissenschaftlichen Disziplinen noch nicht so richtig sortiert und auf eine gemeinsame Sprache geeinigt haben, wie Prof. Klimmt von der Uni Mainz jüngst auf der Veranstaltung "Clash of Realities" anmerkte.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Hysterie, genährt durch Politiker von CDU/CSU, dem kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen und die hanebüchenen Berichte einiger "Politikmagazine" der öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF, wurde der Verein GameParents.de e.V. gegründet. Uns als langjährigen  Computerspielern war damals schon sonnenklar, dass der Umgang mit den Neuen Medien erlernt werden muss. Neue Medien gehören heute noch mehr als 2006 zur Lebenswirklichkeit nicht nur in der westlichen Welt. Es ist nachgerade sträflich, sie zu ignorieren oder zu verteufeln.

Gerade deshalb sehen wir unseren Auftrag besonders darin, anderen Menschen Wissen und Kompetenz zu vermitteln, mit diesen Medien umzugehen, ihre Kinder verantwortungsvoll im Umgang damit zu begleiten und anzuleiten und überhaupt die ganze Problematik des Jugendmedienschutzes, die nicht von der Hand zu weisen ist, pragmatisch und mit Augenmaß anzugehen.

An diesem Auftrag hat sich auch im Jahre 2010 nichts geändert, im Gegenteil: Dass nun auch die Politik endlich auf die jahrelange Kritik reagiert und beginnt, unsere Ansicht zu teilen, bestärkt uns darin, den richtigen Ansatz gewählt zu haben. Ohnehin ist es nur eine Frage der Zeit, bis internetaffine Menschen in politische Positionen aufrücken, wo sie die Gesetzgebung in unserem Land mitbestimmen können. Die Piratenpartei als Ausdruck dieses politischen Willens hat es vorgemacht und aus dem Stand zwei Prozent bei der letzten Bundeswahl erzielt. Es freut mich zu sehen, dass auch alteingesessene Politiker inzwischen aufgewacht sind und sich wieder am gesellschaftlichen Leben in allen Belangen beteiligen.

Nun bleibt noch zu wünschen, dass die Politik auch in anderen Bereichen, etwa der inneren Sicherheit, der Sozialpolitik und der Bildungspolitik statt Aktionismus und Panikmache handfeste, nachhaltige und für die Bürger und unser Land wohltuende Politik betreibt. Ansätze sind vorhanden, etwa beim Zugangserschwernisgesetz, das ebenfalls durch eine Petition angegriffen wurde, dennoch in Kraft trat und nun einfach nicht angewendet wird. Sauberer wäre allerdings, es durch ein weiteres Gesetz wieder aufzuheben, scheinbar halten CDU und SPD das aber wohl für noch blamabler als ein Gesetz, das zwar in Kraft ist, aber keiner mehr haben will.

Eins zeigt die gestrige Entscheidung jedenfalls deutlich: Engagierte Menschen können in einigen Bereichen noch etwas bewegen in Deutschland. Und darauf bauen wir.

 
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