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Leserbrief von Herrn Weymar vor 4 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Herr Weymar,
vielen Dank für Ihren Brief und Ihre Meinung.
Ich denke, das Sie in Ihrem Brief ein sehr wichtiges Thema angesprochen haben. Nämlich die Gewaltdarstellung auch in anderen Medien. Aber das wird ja im Hetzwahn von den Medien ignoriert und auch die öffentlich rechtlichen Sender zeigen zur Besten Sendezeit ihre schönsten Morde.
Teilweise werden diese sogar als Kunst präsentiert und verkauft.
In so einem Fall ist es erlaubt?
Es geht uns primär darum, das wir unser Recht auf Freiheit ausüben wollen. Wir möchten wie mündige Bürger behandelt werden und uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu spielen haben. Das solche Szenen, egal ob Spiel oder Film nichts für Kinder sind, brauchen wir nicht weiter zu diskutieren.
Aber dafür prangt auf jeder Spielepackung eine Alterfreigabe und die ist bindend. Geschäfte die sich nicht an diese Freigaben halten, machen sich strafbar und Eltern?
Wir wollen mit unserem Projekt Eltern wachrütteln. Wir wollen ihnen zeigen das sie ihre Verantwortung den Kindern gegenüber auch mit den neuen Medien wahrnehmen müssen. Damit sie das aber können, wollen wir Hilfestellungen geben. D.h. wir fordern nicht nur, sondern versuchen auch zu zeigen wie es geht.
Es geht uns primär nicht nur um Gewaltspiele. Es geht uns um unsere Bürgerrechte, um unsere Anerkennung als mündige Bürger und um Anerkennung unseres Hobbies als solches.
Die Gesetze sind da. Erst recht seit dem 01.04.2003. Sie sind da und müssen nur befolgt werden.
Vielleicht sollte nicht über ein Verbot von Killerspielen nachgedacht werden, sondern über die Bestrafung von Eltern, die sich nicht darum kümmern was ihre Kinder am Computer machen.
Ich werde eventuell später nochmal auf die anderen Punkte in Ihrem Brief eingehen. Dies sollte für den Anfang erstmal reichen.
Gruß
Rainer Schmidt<br><br>Post geändert von: Rainer Schmidt, am: 23/02/2007 20:51
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Ich habe vor ewig zu leben... bisher klappt das auch noch ganz gut!
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Re:Leserbrief von Herrn Weymar vor 4 Jahren, 11 Monaten
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Sehr geehrter Herr Weymar,
ich kann Ihr Unverständnis nachvollziehen, Spiele wie Battlefield 2, Counterstrike, F.E.A.R. und so weiter spielen zu wollen und dabei Spaß zu haben. Auf genau dasselbe Unverständnis stoße bei meiner Freundin, einer Gymnasiallehrerin.
Anders als in den Medien dargestellt geht es uns erwachsenen Spielern aber nicht darum, Allmachts- und Gewaltfantasien auszuleben, sondern darum, unsere Fähigkeiten mit anderen zu messen.
Fähigkeiten wie strategisches Denken, taktisches Handeln, Reflexe, blitzschnelle Entscheidungen. Der sportliche Wettkampf steht im Vordergrund. Dabei werden alle Szenarien menschlichen Daseins realisiert und dazu gehört nun einmal auch der Krieg, wobei hier "sauberer " Krieg stattfindet, den es in der Realität gar nicht gibt: "Getötete" Gegner sind nach wenigen Sekunden wieder mit voller Gesundheit im Spiel, Darstellungen schlimmer Verletzungen gibt es nicht, anders als in Film und Fernsehen.
In Einzelspielerkampagnen stehen die "getöteten" Gegner zwar nicht mehr auf, aber es handelt sich in diesem Fall ja auch nicht um reale Menschen, die anderswo am PC sitzen, sondern um computersteuerte Figuren.
Wir von Gameparents sehen nicht ein, warum es erwachsenen Menschen verboten werden soll, Kriegsspiele zu spielen, wenn gleichzeitig in Videotheken, im Fernsehen und im Kino Kriegsfilme zum Konsum bereitstehen, die Computerspiele an Brutalität noch bei weitem übertreffen.
Wie Herr Schmidt schon ausführte: Es geht im Kern nicht darum, Für oder Wider Gewaltspiele zu argumentieren. Es geht hier darum, unseren freiheitlichen Rechtsstaat zu erhalten, Zensur zu verhindern. Wenn Kriegsfilme als Kunst gelten, dann muss das auch für Kriegscomputerspiele gelten.
Die ganze Verbotsdebatte ist ohnehin sinnlos. Gewaltverherrlichende Darstellungen, auch in Computerspielen, sind schon jetzt verboten. Es bedarf keiner weiteren Verbote, sondern einer Aufklärung von Eltern, Lehrern und Kindern, was neue Medien wie Computerspiele angeht.
Nebenbei: So neu sind Computerspiele nicht. Es gibt sie schon seit über 25 Jahren.
Viele Grüße,
Jürgen Wahlmann
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"Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter" - Al Bundy
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Re:Leserbrief von Herrn Weymar vor 4 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Herr Weymar,
Also zuerst mal möchte ich ihnen schreiben, dass ich derzeit gefühlstechnisch auf einem Level mit ihnen liege. Jedoch muß man sagen, dass die Presse und Medien einen Großteil dazu beitragen, dass ich mich eben so fühle. Bis vor knapp ein oder zwei Jahren habe ich auch gelegentlich Gewaltspiele gespielt und hatte eigentlich keinerlei Schuldgefühle oder derart ähnliches, aber es gab Spiele die mich an persönliche Grenzen gebracht haben. Besonders Kriegsspiele empfand ich als mir zu wieder, also hab ich diese einfach nicht gespielt. Durch die derzeitigen Medienberichte und Artikel in Zeitschriften fühle ich mich fast wie kriminalisiert, weil ich Spiele gespielt habe wie Prince of Persia auf der PS2 oder auch Tomb Raider, aber eben jetzt erst! Die Spiele hatten kaum Bedeutung in meinem Gefühlsleben außer, dass ich Prince of Persia geliebt habe, weil es einfach ein tolles Spiel war/ist ebenso wie Tomb Raider. Die Spiele haben mich über einen Zeitraum sehr gut unterhalten, ich hab mitgefiebert war aufgeregt usw. aber danach war ausser Schwärmerei für die Spiele nichts! Bis jetzt, ich fühle mich fast schlecht, weil ich „sowas“ gespielt habe. Haben Sie Cannon Fodder oder Lemminge gespielt? Hatten sie ein schlechtes Gewissen? und jetzt ? Die Spiele bekommen derzeit so viel Aufmerksamkeit und es wird so viel hinein interpretiert das man kaum noch normal damit umgehen kann.
Zitat:
Die übertriebene Darstellung von Gewalt, Brutalität und Tot findet inzwischen ungeniert auf allen medialen Kanälen statt, vom Fernsehen über DVD-Beilagen bis hin zu Computerspielen.
Da geb ich ihnen recht. Aber das gibt es schon so lange es diese Medien gibt! Sollte es wirklich mehr geworden sein, ist es umso wichtiger den richtigen Umgang damit, Kindern und Jugendlichen, bei zu bringen, bzw diese Medien für Kinder nicht zugänglich zu machen. Wenn meine Mutter damals gewußt hätte was so über meinen Bildschirm geflackert ist, wäre sie sicherlich auch geschockt gewesen. Aber ich würde sagen das es mir nicht unbedingt geschadet hat ich hatte meistens meinen Spaß, mehr war da aber nicht!
Sie sollten auch mal ihre Sichtweise verdrehen, wie hätten und würden sie reagieren wenn man ihnen alle C64 Spiele weg genommen hätte in denen Gewalt vorkommt? Oder ihre derzeitigen Spiele? Hätte ihnen ihre Mutter auf die Schultern geklopft und sie dafür gelobt für das, was sie gespielt haben?
Computerspiele töten niemanden, das tun die Waffen! Gewalt bzw. Aggresivität ist ein Gefühl, selbst wenn es beim Spielen angestachlet wird, baut es sich nach der Anspannungsphase einfach wieder ab! Sonst wären auch alle die irgendwann mal längere Zeit verliebt waren, immer verliebt, wie würde die Welt wohl dann aussehen? Durch solche Spiele ist es vielleicht sogar möglich Gewalt, welche ja eine Menschliche Veranlagung zu sein scheint, auszuleben und abzubauen!? Wenn jemand seine Gewalt nicht mehr unter Kontrolle hat, ist das krankhaft! Wieviele Eifersüchtige Menschen haben schon andere aus Eifersucht getötet? ob dieser Menschen auch Egoshooter gespielt haben?
Man sucht verzweifelt nach einem Grund warum diese Massaker geschehen, anscheinend nur um Menschliches (soziales) oder Politisches Versagen (woher kommen die Waffen?) ausschließen zu können.
Für viele Spiele in denen Gewalt dargestellt wird, produzieren Spielehersteller extra Deutsche Versionen die verändert sind, um eben in Deutschland veröffentlicht werden zu dürfen, da die deutschen Bestimmungen mit die strengsten in Europa sind! Der Jugendschutz kann aber nur funktionieren wenn sich auch jemand darum kümmert und da können Eltern den größten Teil beisteuern, natürlich wäre es einfach das Zeug einfach weg zu schließen und Ruhe wäre es und man müßte sich um nichts mehr kümmern, nicht mal mehr um die Kinder?
Zitat:
Und mal ehrlich: Wenn ich z.B. im LAN fighten will, warum muss ich Menschen erlegen? Es macht wahrlich überhaupt keinen Sinn(!) oder hat irgendeinen Wert(!), solche menschlichen Gegner zu töten.
Ist schließlich auch eine Frage des Geschmacks, es zwingt niemand den anderen das zu tun, Erwachsene übernehmen schließlich mit Vollendung des 18 Lebensjahres die Verantwortung für ihr tun. Aber warum soll man überhaupt fighten? Selbst z.B. Tischtennis, sowohl online als auch im wirklichen Leben, ist ein Kampf, warum all diese Wettkämpfe? Vielleicht sollte man auch Wettkämpfähnliche Settings verbieten!
Man kann Erwachsenen Meschen einfach nicht verbieten bestimmte Dinge zu tun, auch wenn es der Regierung manchmal am liebsten wäre totale Kontrolle auszuüben, so sind wir bis jetzt noch freie Menschen. Vielleicht geht es bei diesem ganzen Killerspiele-Prozess um viel mehr als man bisher annimmt, den Überwachungsstaat haben wir bereits, soll der Kontrollstaat folgen?
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Andreas Raschel
(Besucher)
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Re:Leserbrief von Herrn Weymar vor 4 Jahren, 11 Monaten
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Hallo Herr Weymar,
ich denke, meine Vorredner haben bereits sehr ausführlich Stellung bezogen. Nichts desto trotz will auch ich noch den ein oder anderen Kommentar zu einigen Aspekten abgeben, die mich persönlich innerhalb der gesamten Gewaltdebatte sehr beschäftigen und die innerhalb dieses Forums auch weiterhin zu einer lebhaften Debatte animieren sollen.
Doch zunächst möchte auch ich noch einmal klar stellen, worum es uns von GameParents.de mit unseren Beiträgen eigentlich geht.
Wir wollen natürlich Eltern darüber informieren, wo Computerspiele heute stehen, welche gesetzlichen Regelungen es im Bereich Jugendmedienschutz gibt, wie diese angewandt werden etc.pp. Vorrangiges Ziel ist es aber natürlich, Eltern dazu zu bewegen, sich verstärkt um den Medienkonsum ihrer Kinder zu sorgen und zu kümmern und gegebenenfalls regulatorisch einzugreifen.
Denn, und soviel sollte jedem Erziehungsberechtigten klar sein, Jugendmedienschutz kann niemals alleine Aufgabe des Gesetzgebers sein, sondern erfordert immer eine Eigeninitiative innerhalb der eigenen 4 Wände. Gesetze sind, sofern ihre Einhaltung nicht nachhaltig kontrolliert wird, immer nur ein Leitfaden, egal in welchem Bereich.
Womit wir bereits beim allergrößten Knackpunkt des gesetzlichen Jugendschutzes in Deutschland sind, nämlich der Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes?
Ganz klar: im Bereich der Jugendschutzinstanzen ist es der Staat selbst: Die USK Wird durch ihren ständigen Länderbeisitzer kontrolliert, der jede einzelne Prüfentscheidung abzusegnen hat. Zudem kommt die ständige Kontrolle der Bundesprüfstelle, die sämtliche Medien, die keine Alterseinschätzung erhalten haben, vom Fleck weg indizieren kann. Aber nicht muss. Über allem schwebt dann noch der Strafgesetzbuch-Paragraph 131, der gewaltverherlichende Medien verbietet und mit hohen Strafen belegt.
Härtere gesetzliche Regelungen an dieser Stelle schießen also völlig am Ziel vorbei, weil der Staat de fakto sowieso schon entscheidet, welche Spiele in den Handel gelangen dürfen und welche nicht.
Stellt sich bloß die Frage: Wer kontrolliert eigentlich die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes, sobald ein von BPjM und USK geprüfter Titel frei im Handel steht?
An dieser Stelle MÜSSTEN zwingend die Ordnungsämter aktiv werden und stäkere Stichproben vornehmen. Tun sie aber kaum.
Also bleibt es letztlich bei den Eltern hängen. Und die tun gut daran, sich einfach mal stärker mit dem Jugendschutzsystem auseinander zu setzen und geltende Gesetze als mehr als nur einen Leitfaden anzusehen, wie es gemacht werden könnte, sondern das Jugendschutzgesetz tatsächlich einmal völlig konsequent innerhalb der eigenen 4 Wände anzuwenden.
Was dann im Bereich der Computerspiele schnell klar werden dürfte: Die eigenen Kinder wachsen unterm Strich mit VIEL restriktiveren Regelungen auf, als es in unserer Kindheit der Fall war. Der einzige Unterschied: Unsere Kindheit, und vor allem die unserer Eltern, war bei weitem noch nicht so technisch geprägt wie in unserer heutigen Zeit. Und Technik schreckt vor allem ältere Erwachsene nach wie vor ab, weshalb viele sich dann aben doch nicht so recht mit den Computerspielen ihrer Kinder auseinandersetzen mögen, stattdessen aber beim Anblick eines Berichtes wie der kürzlich ausgestrahlten Panorama-Sendung völlig geschockt tun.
Früheres Handeln wäre dagegen der adäquate Weg gewesen.
Und auch wenn nun eine Zeitschrift wie die AudioVideoFoto-Bild ihrer Ausgabe eine DVD mit einem Film ab 16 Jahren beilegt, so muss jedem aufmerksamen Elternteil kar sein, dass man von dem Cover nicht unbedingt auf den Inhalt schließen kann/darf.
Aaaaber: Auch zeitschriften sind dazu verpflichtet, auf dem Deckblatt das entsprechende FSK-Siegel (bei Filmen) bzw. USK-Siegel (bei Spielen) abzudrucken. Das Resultat: eine Zeitschrift, die einen film ab 16 beilegt, darf auch nur an Jugendliche ab 16 Jahren verkauft werden.
JEDEM Elternteil und Bürger, der ein solches Siegel sieht, sollte sich also doch einwandfrei darüber im Klaren sein, dass sich der auf der beigelegten DVD enthaltene Titel eindeutig vom Kinderprogramm der ARD abgrenzt.
Warum also waren sie erst beim Anblick dieses Films so erschrocken? Warum dann überhaupt eine Film ansehen, der ein derart hohes Rating erhalten hat?
Oder war es vielmehr die Tatsache, dass dieser Film bereits eine Freigabe ab 16 erhalten hat, die sie so schockiert hat?
Evtl. könnte man dann sogar sagen: Zurecht!
Denn warum wird bei Filmen und Spielen so stark mit zweierlei Maß gemessen, was die Alterseinstufung angeht? Warum erhält Very Bad Things eine Freigabe ab 16, ein Spiel mit ähnlichem Inhalt aber keine Jugendfreigabe? Warum ist ein Harry Potter, bei dem ich mir als Kind - mit Verlaub - in die Hosen geschissen hätte, heute freigegeben ab 6 oder 12 Jahren?
Könnte es vielleicht sogar daran liegen, dass die Filmidustrie eine soviel größere Lobby besitzt als die Gamesbranche?
Aber ich schweife völlig ab.
Was ich eigentlich sagen wollte:
Wir von GameParents.de versuchen, durch unsere Artikel und Kommentare auf genau derartige Mißstände hinzuweisen.
Und wehren uns dabei NATÜRLICH gegen eine Gesetzgebung, die den freien Bürger entmündigen soll und ein Medium verbieten will, einfach weil es von einem Großteil der älteren Generation nicht verstanden wird.
Unser Ziel ist es aber auch nicht unbedingt, Eltern haarklein bei der Hand zu nehmen und ihnen jeden einzelnen Schritt vorzukauen und Anleitungen zu geben, sondern eher eine Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch zu bieten, zu zeigen, wo sie sich informieren können und wie sie evtl. die richtigen Ansprechpartner finden. Auch aus diesem Grund haben wir uns für die Eröffnung dieses Forum entschieden, auch wenn es bislang leider praktisch nicht genutzt wird - was eigentlich auch wieder gegen ein ausreichend vorhandenes Interesse innerhalb der Zielgruppe spricht.
Was jetzt, um endlich einmal auf einen ganz konkreten Punkt Ihres Schreibens zu kommen, Gewaltinhalte in Computerspielen angeht, verstehe ich nach wie vor nicht, warum Spiele hier immer so stark abgegrenzt werden von Filmen und anderen Medien.
Natürlich, der interaktive Aspekt spielt dabei eine gewaltige Rolle, letztlich aber geht es doch jedem Medium darum, eine bestimmte Geschichte zu erzählen und entsprechende Emotionen zu transportieren. Mit dem größten Unterschied: Spiele versuchen dies auf eine völlig andere Art. Hier schafft sich jeder Spieler unter Umständen seine ganz eigenen Rückzugsbereiche, erlebt handlungen auf ganz individuelle Art, schafft sich seine Handlung vielleicht sogar komplett selbst und verbindet damit dann auch ganz spezielle Emotionen, die das Medium Spiel eindeutig vom Medium Film azugrenzen vermögen.
Und trotzdem: Warum Spiele bei der Suche nach möglichen negativen Wirkungen auf so einfache Weise reduzieren und von anderen Medien abgrenzen?
Natürlich muss man sich auch bei einem Amokläufer fragen, ob Spiele nicht vielleicht ihren Beitrag zu seiner negativen Entwicklung geleistet haben. Allerdings muss man dazu stets seine persönliche Mediensozialisation und sein psychologisches wie soziales Profil im Auge behalten. Sprich: das gesamte Umfeld ist der Faktor, nicht allein der Konsum eines einzelnen Mediums. Wie Sie schon anmerkten: wenne in Auto 4 Plattfüße hat, repariert man eben nicht nur den einen. Vor allem nicht einen, der eigentlich nur einen viel kleineren Beitrag zum Nicht-Vorankommen des Autos leistet, als andere.
Warum kam es denn zu solchen Taten wie in Erfurt und Emsdetten? Robert Steinhäuser hat in einem komplett desolaten Umfeld gelebt, in dem seine Familie sich kaum um ihn gekümmert hat und er seine gesamte Zukunft durch den Verlust der Möglichkeit einen anständigen Schulabschluss zu erlangen, dahinschwinden sah. Noch dramatischer bei Sebastian B., der von allen Seiten in der Schule gemobbt wurde, der einen Hass auf die Konsumgesellschaft entwickelte und der - auch das sollte nicht verschwiegen werden - massivste psychische Probleme hatte. Seinem Umfeld war all dies egal. Selbst seine verzweifelte Suche nach Hilfe in diversen Foren blieb fruchtlos.
Ist es also so einfach, die Schuld für Gewalttaten an Schulen oder sonstwo mal eben so bei gewalthaltigen Computerspielen zu suchen?
Ich sage nein.
An anderer Stelle habe ich zudem mehr als ausführlich dargelegt, dass viele Effekte von Spielen, die in der Öffentlichkeit direkt den Gewalthandlungen am Bildschirm zugeschrieben werden, in Wahrheit ganz anders zu interpretieren sind.
Um es jetzt endlich einmal auf den Punkt zu bringen:
Wenn jemand nicht einsieht, warum er in einem Spiel auf menschenähnliche Figuren schießen soll, dann ist es sein gutes Recht, auf derartige Inhalte zu verzichten. Andersherum sollte es aber auch gutes Recht eines jeden sein, der solche Inhalte spielen möchte, dies tun zu können.
Und warum auf menschenähnliche Figuren? Ganz klar: Weil Spiele, in denen sich die Handlungen immer nur um Roboter oder Aliens drehen, ganz einfach langweilig und unglaubwürdig sind.... oder es auf Dauer werden. Genau wie es mittlerweile einfach langweilig ist, wenn sich Computerspiele laufend mit dem zweiten Weltkrieg als Thema befassen.
Menschliche Figuren in Spielen dienen also einer gewissen Glaubwürdigkeit und der Erzeugung einer ganz bestimmten Atmosphäre. Und: letztlich sind es doch auch in Spielen die menschlichen Abgründe, Schicksale, Handlungen und Emotionen, die uns besonders bewegen. Man nehme nur Spiele wir Final Fantasy 7 und 8, Ico, Shadow of the Colossus, Beyond Good & Evil, Metal Gear Solid und wie sie alle heißen. Wären diese genau so bewegend, wenn ich in ihnen mit einem rotgewandeten Klempner auf Schildkröten hüpfen würde? NEIN!
Und außerdem: wenn verzicht auf Gewalt, warum dann überhaupt noch mit einem rotgewandeten Klempner auf Schildkröten hüpfen dürfen?????
Letztlich ist Gewalt immer ein Aspekt unseres Lebens und wie wir aus dem Alltag ableiten können offenbar ein nicht wegzudenkender Teil auch der menschlichen Natur.
Und in den Medien ist Gewalt dadurch ein absolut legitimes Stilmittel.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb neulich über Guillermo del Torros am Sonntag dreifach Oscar-prämierten Film 'Pan's Labyrinth' - der ebenso kaum mit Gewalt geizt:
"Wenn er in 'Pans Labyrinth' Fantasyfiguren ausmalt, dann mit poetischer Erfindungskraft. Wenn er Gewalt schroff, direkt und erschreckend zeigt, dann nicht für den spekulativen Thrill, sondern im Interesse der Figurenzeichnung, der Wahrheit der Empfindungen."
Bei Filmen ist es also längst akzeptiertes Stilmittel, dass sogar die Handlung unterstützt und zur Charakterzeichnung beiträgt.
Im Spielesektor steht man, was diese Ausarbeitung von Charakteren, Handlung etc. angeht zwar noch am Anfang - kein Wunder, bis vor wenigen Jahren bestanden Spielen auf kaum erkennbaren Pixelwolken - allerdings bin ich zuversichtlich, dass auch Spiele sich über kurz oder lang in diese Richtung bewegen werden.
Und warum sollte es dann nicht auch über den 12ten Doom-Teil dann irgendwann einmal heißen
" Wenn er Gewalt schroff, direkt und erschreckend zeigt, dann nicht für den spekulativen Thrill, sondern im Interesse der Figurenzeichnung, der Wahrheit der Empfindungen."
Solange verantwortungsvolle Eltern ihren Aufgaben und Pflichten in der Medienerziehung nachkommen, kann ein übermäßiger Gewaltkonsum bei Kindern überhaupt kein Einflussfaktor sein.
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